Endlager

Gabriel: Erfahrungen aus Morsleben für Asse nutzen

Bundesumweltminister Gabriel will Erfahrungen mit dem Atommüllendlager Morsleben für die anstehenden Maßnahmen im Atommülllager Asse nutzen. Es sei gut, dass mit dem Bundesamt für Strahlenschutz künftig der gleiche Betreiber für beide Lager zuständig sein werde, sagte Gabriel am Freitag in Morsleben.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Morsleben (ddp-lsa/sm) - Er geht davon aus, dass der Finanzbedarf für die Sanierung in Asse höher als die bisher veranschlagten 850 Millionen Euro sein werde. Allein in Morsleben seien 2,2 Milliarden Euro für die Sicherung des Endlagers verwendet worden.

Bürger in Debatte einbeziehen

Gut ein Dutzend Kernkraftgegner warten bereits auf den Bundesumweltminister. Sie empfangen den Minister mit Protestplakaten vor dem Informationszentrum des Atommüllendlagers Morsleben in Sachsen-Anhalt. Peter Dickel von der Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad verweist darauf, dass es in Morsleben ähnliche Probleme mit der Sicherheit gebe wie in dem durch zahlreiche Pannen in die Schlagzeilen geratenen Atommülllager im niedersächsischen Asse.

Gabriel suchte das Gespräch mit den Demonstranten. Er räumt ein, dass mehr Transparenz nötig sei und die Bevölkerung kein Vertrauen mehr in die Sicherheit der Endlager habe. Die einzige Chance sei, alles offen zu legen, die Menschen zu beteiligen und eine kritische Debatte zu führen. Das größte Problem sei, dass Bayern und Baden-Württemberg zu feige seien, einen Standortvergleich für ein Endlager für hoch radioaktiven Müll zuzulassen.

"Erstaunlichen Parallelen" zwischen Morsleben und Asse

Nach seinem Besuch in dem Atommüllendlager spricht der Minister von "erstaunlichen Parallelen" zwischen Morsleben und Asse. Beide seien in ehemaligen Salzbergwerken eingerichtet worden, es habe in beiden Fällen kein Konzept zur Schließung und kein Gutachten zur Langzeitsicherheit gegeben.

In Morsleben gebe es aber einen völlig anderen Umgang mit den Problemen, sagt Gabriel. Während Asse ein "Schmuddelkind" gewesen sei, habe in Morsleben in den vergangenen Jahren die Sicherheit im Mittelpunkt gestanden. So könnten bei der Sanierung von Asse viele Erfahrungen von Morsleben übernommen werden.

Sicherheit steht an erster Stelle

Prinzip müsse "Safety first" sein, sagt Gabriel. Es gehe nicht um Schnelligkeit, sondern um Präzision. Er gehe davon aus, dass in Asse mehr als die geplanten rund 850 Millionen Euro für die Sanierung benötigt würden. In Morsleben betragen die Kosten bis zur Schließung nach Angaben von Gabriel 2,2 Milliarden Euro.

In rund 500 Metern Tiefe hat Gabriel zuvor die Bereiche in Augenschein genommen, in denen Fässer mit mittelradioaktiven Stoffen verkippt und dann mit Salz und Filterasche bedeckt wurden. Dann fährt er zu einer Kammer, in der gelbe Fässer auf mehreren Etagen übereinander gestapelt und zum Teil mit einer Salzschicht versehen sind. Gabriel verweist darauf, dass in Morsleben nach der Wende westdeutsche Atomkraftwerke billige Entsorgung betrieben hätten.

Insgesamt wurden in Morsleben 36.750 Kubikmeter schwach und mittelradioaktive Abfälle aus der DDR und der Bundesrepublik eingelagert. Rund 60 Prozent davon stammen aus der Zeit von 1994 bis 1998. Seit rund zehn Jahren wird nach einem Gerichtsbeschluss in Morsleben nichts mehr eingelagert. Zur Schließung des Lagers ist ein Planfeststellungsverfahren notwendig.

Die Unterlagen zur dazu erforderlichen Bürgerbeteiligung sollen 2009 ausgelegt und auch im Internet veröffentlicht werden, sagt der Präsident des Bundesamts für Strahlenschutz, Wolfram König. Ziel für den Planfeststellungsbeschluss sei 2012.

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