Konzentrationsprozess

Fusionswelle: E.ON und Gas Natural mit Übernahmeplänen

E.ON hat sein Interesse am fünftgrößten britischen Versorger, Scottish Power, jetzt offiziell gemacht. Und in Spanien gab der größte Gaskonzern, Gas Natural, die Übernahme des führenden Stromanbieters Endesa für knapp 23 Milliarden Euro bekannt. Damit schreitet der europäische Konzentrationsprozess weiter voran.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Der Konzentrationsprozess auf dem europäischen Energiemarkt setzt sich weiter fort. Nach monatelangen Spekulationen über mögliche Zukäufe des größten deutschen Energiekonzerns E.ON bekundete das Unternehmen nun offiziell sein Interesse am fünftgrößten britischen Versorger Scottish Power. Gleichzeitig gab in Spanien der größte Gaskonzern des Landes, Gas Natural, die Übernahme des führenden Stromanbieters Endesa für knapp 23 Milliarden Euro bekannt.

Nach einer erfolgreichen Übernahme wäre das fusionierte Unternehmen den Angaben zufolge der drittgrößte private Versorger weltweit nach Frankreichs EdF und E.ON. Zudem wäre das Unternehmen Marktführer in Spanien und Lateinamerika. Das neue Unternehmen wird laut Gas Natural jährlich 24 Milliarden Euro umsetzen. Eine Genehmigung der spanischen Regulierungsbehörde für diese Transaktion ist nach Einschätzung von Beobachtern allerdings noch nicht sicher.

Unterdessen prüft die Düsseldorfer E.ON nach eigenen Angaben eine Übernahme von Scottish Power. Bisher gebe es aber noch keinen Kontakt, was der Glasgower Konzern bestätigte. Analysten bezeichneten einen Kauf des Unternehmens als strategisch sinnvoll, verwiesen zugleich aber auf den hohen Preis. Nach derzeitigem Stand würde E.ON der Zukauf wohl über 20 Milliarden Euro kosten.

Seit Mai ist der Aktienkurs von Scottish Power um gut 20 Prozent geklettert. Derzeit wird das Unternehmen an der Börse mit gut zehn Milliarden Pfund (14,5 Milliarden Euro) bewertet. E.ON erklärte in diesem Zusammenhang, dass das Unternehmen keinerlei Zusicherung mache, dass es tatsächlich ein Übernahmeangebot abgebe. Ein etwaiges Angebot würde aber voraussichtlich gegen Barzahlung gemacht.

Analysten erwarten eine Offerte allerdings nicht mehr in diesem Jahr. Grund hierfür sei der noch nicht abgeschlossene Verkauf des US-Geschäfts. Und dieser könnte sich nach Einschätzung der Experten noch bis zum kommenden Mai hinziehen. "Für den, der nur in den britischen und nicht in den US-Markt einsteigen will, ist Scottish Power sicher ein guter Kandidat", sagte HVB-Energieanalystin Karin Brinkmann. E.ON habe zudem ausreichend Liquidität, um ein solches Geschäft zu stemmen.

An den deutschen Aktienmärkten waren die geplanten Zusammenschlüsse im europäischen Versorgersektor am Dienstag das beherrschende Thema. Während E.ON allerdings wegen der zu erwartenden Kosten bei 80,33 Euro mit 0,4 Prozent im Minus notierten, erreichten RWE ein neues Allzeithoch bei 56,78 Euro.

Die EU-Kommission hat unterdessen die geplante Übernahme der Ruhrgas Industries durch die Luxemburger CVC Capital Partners Group genehmigt. Es gebe keinerlei wettbewerbsrechtliche Bedenken, teilte die Behörde am Dienstag in Brüssel mit. Ruhrgas Industries gehörte bislang zu E.ON und soll nun für 1,5 Milliarden Euro an CVC verkauft werden. Die Essener Ruhrgas Industries ist in der Mess- und Regeltechnik sowie im Industrieofenbau tätig und stellt unter anderem Gas-, Strom- und Wasserzähler her.

Von Ralf Beunink

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