Experiment

Fusionskraftwerk ITER wird in Frankreich gebaut

Japan, Russland, USA, China, Südkorea und die Europäische Union werden für 4,6 Milliarden Euro das erste Fusionsforschungskraftwerk der Welt in Südfrankreich errichten. ITER soll erstmals ein brennendes Plasma erzeugen, das mindestens das Zehnfache der für die Plasmaheizung aufgewandten Energie liefern soll.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Moskau/Greifswald (ddp-nrd/sm) - Das erste Fusionsforschungskraftwerk der Welt wird in Frankreich gebaut. Darauf haben sich heute in Moskau die Projektpartner Japan, Russland, USA, China, Südkorea und die Europäische Union geeinigt, wie das Max-Planck-Institut in Greifswald mitteilte. Demnach soll der Internationale Thermonukleare Experimentalreaktor (ITER) im südfranzösischem Cardarache errichtet werden.

Die Gesamtkosten in Höhe von 4,6 Milliarden Euro teilen sich die Projektpartner. Demnach übernimmt die EU die fast 900 Millionen Euro betragenden Standortkosten. Die Hälfte davon entfällt auf Frankreich. Die Baukosten für die zu fertigenden Spezialbauteile in Höhe von etwa 3,7 Milliarden Euro werden zwischen der EU, Japan, China, Russland, den USA und Südkorea aufgeteilt.

Eine Schlüsselrolle bei dem ITER-Bau soll Japan übernehmen. So wird die japanische Industrie Fertigungsaufträge im Umfang von 20 Prozent der Kosten erhalten, darunter auch für den Bau und Betrieb einer Materialtestanlage. Zudem sollen 20 Prozent der künftigen Mitarbeiter von Japan gestellt werden.

Eine mögliche Bewerbung des Kraftwerkstandorts Greifswald war vor zwei Jahren von der Bundesregierung abgelehnt worden. In Greifswald wird derzeit die Fusionsforschungsanlage "Wendelstein 7-X" errichtet, die als Laborvorstufe für ITER gilt. Der wissenschaftliche Direktor des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik (IPP) Garching-Greifswald, Alexander Bradshaw, begrüßte die Entscheidung zu Gunsten eines europäischen Standorts. Für den in zehn Jahren beginnenden Forschungsbetrieb müsse jetzt ein leistungsfähiges Fusionsprogramm in Deutschland gestartet werden, sagte er. Auf diese Weise könnten das wissenschaftliche Vorleistungen geschaffen und geeignete Spezialisten für den Bau eines Fusionskraftwerks ausgebildet werden.

Der Experimentalreaktor ITER soll zeigen, dass ein Energie lieferndes Fusionsfeuer möglich ist. Das Projekt wurde seit 1988 in weltweiter Zusammenarbeit vorbereitet. Mit einer Fusionsleistung von 500 Megawatt soll ITER erstmals ein brennendes Plasma erzeugen, das mindestens das Zehnfache der für die Plasmaheizung aufgewandten Energie liefern wird. Nach einer Bauzeit von etwa zehn Jahren sollen knapp 600 Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker etwa zwanzig Jahre lang an der Anlage arbeiten. Die Betriebskosten, einschließlich Rücklagen für den späteren Abbau werden auf jährlich 265 Millionen Euro geschätzt.

Ziel der Fusionsforschung ist es, ein Kraftwerk zu entwickeln, das ähnlich den Vorgängen auf der Sonnenoberfläche aus der Verschmelzung von Atomkernen Energie erzeugt. Um das Fusionsfeuer zu zünden, muss der Brennstoff, ein Plasma aus den Wasserstoffsorten Deuterium und Tritium, in Magnetfeldern eingeschlossen und auf hohe Temperaturen aufgeheizt werden. Ein Gramm Brennstoff könnte auf diese Weise etwa 90 000 Kilowattstunden Energie freisetzen, was der Verbrennungswärme von elf Tonnen Kohle entspricht.

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