Fusion von VEBA und VIAG - Fokus auf Energie und Spezialchemie

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com
Die Düsseldorfer VEBA AG (83,7 Milliarden DM Umsatz, 2,25 Milliarden DM Gewinn nach Steuern, 116.800 Beschäftigte) und die Münchner VIAG AG (49,1 Milliarden DM Umsatz, 1,51 Milliarden DM Gewinn nach Steuern, 85.7000 Beschäftigte) haben sich am Wochenende auf eine Fusion beider Unternehmen geeinigt. Dadurch entsteht - zum 1. Januar des kommenden Jahres - ein neuer Konzern, der sich auf die Kerngeschäfte Energie und Spezialchemie fokussiert und in beiden Bereichen mit einem Schlag Spitzenpositionen besetzt. Im Strombereich (PreussenElektra und Bayernwerk) wird der Konzern die Nummer Eins in Deutschland und die Nummer Drei in Europa sein. Bei der Spezialchemie (Degussa-Hüls und SKW Trostberg) wäre das neue Mega-Unternehmen weltweit unangefochten. Im Februar sollen die Aktionäre auf außerordentlichen Hauptversammlungen grünes Licht geben, zudem muss die Fusion auch noch kartellrechtlich genehmigt werden. Die Aufsichtsräte beider Unternehmen haben der Fusion bereits zugestimmt. VEBA-Chef Ulrich Hartmann unterstrich, dass man sich mittels der Fusion an die Spitze des europäischen Energiewettbewerbs setze - "aus VEBA und VIAG bauen wir ein energiegeladenes und kraftvolles Unternehmen". Der VIAG-Vorstandsvorsitzende Wilhelm Simson sprach von einem historischen Tag in der Geschichte der VIAG.


Mit neuem Namen an den Start


Das neue Unternehmen wird durch eine Verschmelzung von VIAG auf VEBA entstehen. Das Wertverhältnis wird bei etwa 67 Prozent für VEBA und 33 Prozent für VIAG liegen; das heißt, das VIAG-Aktionäre eine VEBA-Aktie für etwa 2,8 VIAG-Papiere erhalten.


Zur Unterstützung der Fusion hat sich VEBA mit der Bayerischen Staatsregierung darauf geeinigt, zehn Prozent der VIAG-Aktien vom Freistaat zu erwerben. Der Kaufpreis beträgt 1,592 Milliarden Euro - mehr als Branchenkenner erwartet hatten -; hinzu kommt ein an der Kursentwicklung der VIAG-Aktie orientierter Besserungspreis von maximal 104 Millionen EURO. Diese Aktien gehen bei der Verschmelzung unter; wirtschaftlich ist der Erwerb des Aktienpaketes daher als ein vorgezogener Aktienrückkauf zu sehen. Damit verbessert sich auch das Ergebnis pro Aktie. Das neue Unternehmen erhält einen neuen Namen, der in den nächsten Monaten bekannt gegeben wird. Sitz und Standort des neuen Unternehmens ist Düsseldorf.


Der Energiebereich: "Kraftpaket im Herzen Europas"


Die neue Energiegesellschaft entsteht aus der Zusammenführung von PreussenElektra (VEBA) und Bayernwerk (VIAG). Sitz und Standort dieser Gesellschaft wird München sein. Beide Unternehmen gehören schon jetzt zu den kostengünstigsten Stromerzeugern - und diesen Wettbewerbsvorteil will man auch ausbauen.


Rückgrat des Energiebereichs ist das Hochspannungsnetz, das sich durch eine strategisch wertvolle Lage in Europa auszeichnet. Mitten in Europa gelegen, reicht es von Skandinavien bis zu den Alpen. Mit unmittelbaren Netzverbindungen verfügt der neue Konzern zudem über direkte Zugänge zum frühzeitig liberalisierten skandinavischen Strommarkt und in die Wachstumsregionen Osteuropas.


Auch bei Gas und Wasser besitzt der Energiebereich von VEBA und VIAG ausbaufähige Marktpositionen. Damit ergeben sich interessante Chancen für innovative Energiedienstleistungskonzepte. Die neue Gruppe sieht die Öffnung der Märkte als Chance, gegenüber ihren Wettbewerbern überproportional zu wachsen.


Finanzielle Spielräume für forcierten Ausbau der Kerngeschäfte


Mit der Fokussierung auf Energie und Spezialchemie entsteht eine klare und transparente Unternehmensstruktur. Beide Kernbereiche sollen in Zukunft stark expandieren. Die Geschäftsfelder Telekommunikation (VIAG Interkom) und Immobilienmanagement (Viterra) sollen wertsteigernd weiterentwickelt werden. VIAG Interkom ist der drittstärkste Telekommunikations-Vollanbieter in Deutschland, Viterra das größte deutsche Immobilienunternehmen. Alle übrigen Geschäfte sollen "wertoptimiert zum geeigneten Zeitpunkt" verkauft werden. Die damit gewonnenen Finanzierungsspielräume sollen für die Expansion der Kerngeschäfte genutzt werden. Die VEBA-Beteiligung am erfolgreichen Mobilfunkbetreiber E-plus wird zu gegebener Zeit veräußert, da das Lizenzrecht den Betrieb zweier Mobilfunknetze in einem Konzern nicht zulässt.


Kosteneinsparungen von 800 Millionen Euro jährlich


Bis zum Jahr 2002 soll die Fusion zu Synergieeffekten von mindestens 800 Millionen Euro jährlich führen. Sie ergeben sich zu rund zwei Drittel aus niedrigeren Sachkosten und zu etwa einem Drittel aus geringeren Personalkosten - mittelfristig kostet der Zusammenschluss 2500 Jobs. Mit insgesamt 700 Millionen Euro besteht das größte Sparpotential im Energiebereich. Synergiepotentiale von 100 Millionen Euro entfallen auf die Chemie und die Konzernobergesellschaften.


Ausgewogene Verteilung in der Gremienbesetzung


An der Spitze des neuen Unternehmens werden VEBA-Chef Ulrich Hartmann und VIAG-Chef Wilhelm Simson stehen. Weitere Mitglieder des Vorstands werden Hans Michael Gaul und Manfred Krüper von VEBA sowie Erhard Schipporeit von VIAG sein. Die Anteilseignerseite des Aufsichtsrats wird mit sieben von VEBA und drei von VIAG benannten Vertretern besetzt sein. VEBA stellt den Aufsichtsratsvorsitzenden.

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