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Freude über Ausbaustopp in Temelin wohl verfrüht

Die tschechische Regierung dämpft die Freude von Kernkraftgegnern über einen angeblichen vorläufigen Ausbaustopp in Temelin. Dass der Baubeginn für zwei neue Reaktorblöcke ausgesetzt werde, sei "eine verfrühte Behauptung", sagte der tschechische Regierungssprecher Martin Kupka am Freitag.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

München (dapd/red) - Mit der Frage werde sich in der nächsten Woche der Sicherheitsrat des Staates befassen, sagte Kupka der Nachrichtenagentur dapd in Prag mit Blick auf entsprechende Medienberichte. Eine Änderung des Zeitplans zum Ausbau muss laut Kupka die Regierung beschließen. Das sei bislang aber nicht geschehen.

Kein Verständnis für deutsche Kritik

Die Freude bayerischer Politiker über einen Ausbaustopp sei also "verfrüht", stellte der Regierungssprecher klar. Auch verstehe er diese Begeisterung in Bayern über die Nachricht nicht. Schließlich sei die Sicherheit von Temelin auch im Interesse der tschechischen Seite. Auch Sorgen um die Umwelt seien "nicht angebracht", darauf werde Tschechien schon achten.

Kupka betonte mit Blick auf die deutsche Kritik an dem südtschechischen Atomkraftwerk, dass sein Land ein Interesse an einer konkurrenzfähigen Energieproduktion habe: "Vor Konkurrenz muss man doch keine Angst haben."

Atomkraftgegner in Bayern und Österreich sowie die Oppositionsparteien im bayrischen Landtag hatten sich in den vergangenen Tagen erleichtert über Berichte in mehreren tschechischen Medien gezeigt, der tschechische Energiekonzern CEZ habe den Ausbau des Meilers von zwei auf vier Reaktorblöcke auf unbestimmte Zeit verschoben. Auch eine Sprecherin des Konzerns wollte dies auf dapd-Anfrage nicht bestätigen. Eine endgültige Entscheidung sei noch nicht gefallen, allerdings werde das bisherige Planungskonzept eine genauen Prüfung unterzogen, sagte sie.

Frage der Sicherheitsstandards

Der Energieexperte der Freien Wähler im Landtag, Thorsten Glauber, glaubt dennoch nicht an einen Ausbau von Temelin. "Entscheidend werden marktwirtschaftliche Kriterien sein. Und an denen werden die tschechischen Anlagenbetreiber scheitern", sagte er. Glauber verwies dabei vor allem auf internationale Sicherheitsstandards, die es beim Ausbau zu berücksichtigen gelte und die die Gewinnerwartungen für CEZ drastisch sinken lassen würden. "Um am Ende überhaupt auf eine schwarze Zahl zu kommen, müsste in Temelin schon zweit- und drittklassige Technik verbaut werden", argumentierte er. Abweichungen von derzeitigen Höchststandards könne sich allerdings niemand mehr erlauben.

Die bayerische SPD-Generalsekretärin Natascha Kohnen bekräftigte die Forderung nach einem generellen Ausstieg aus der Atomenergie: "Es geht uns nicht allein um Temelín und die Frage, ob in Tschechien Sicherheitsstandards eingehalten werden können. Ebenso fordern wir die Abschaltung von Isar 1", betonte Kohnen. Vielmehr habe man sich über das Signal als Zeichen in Richtung der erneuerbaren Energien gefreut.

Das bayerischen Umweltministerium wollte einen möglichen Ausbaustopp nicht näher kommentieren. Man setze "grundsätzlich auf eine Verlängerung der sicheren Anlagen in Deutschland", sagte eine Ministeriumssprecherin lediglich.

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