"Black out" im Krankenhaus

Französische Energiemitarbieter kappen Strom- und Gasleitungen

Schalter umgelegt, Strom weg. Und wieder sitzen tausende Franzosen im Dunkeln. Mitarbeiter der französischen Energiekonzerne EDF und GDF nutzen ihre Mitbürger als Druckmittel, um höhere Löhne durchzusetzen. In einem nordfranzösischen Krankenhaus brach unlängst Panik aus, als der Strom ausfiel und die Notversorgung nicht ansprang.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Paris (afp/red) - Erst am Dienstag besetzten hunderte Beschäftigte der EDF-Netztochter ErDF eine Umspannanlage bei Paris und legten die Versorgung von 15.000 Anwohnern lahm. Fast zeitgleich waren im südfranzösischen Toulouse tausend Menschen ohne Gas, weil wütende Beschäftigte des GDF-Netzbetreibers GrDF den Hahn zudrehten.

Schon mehrere Male Energieleitungen gekappt

So geht das seit Ende März. Mal waren siebentausend Menschen in zwei Pariser Stadtvierteln ohne Strom, mal 12.000 Anwohner südlich der Hauptstadt, und bei einem Aktionstag im April wurde gleich 66.000 Menschen die Versorgung gekappt. Das geht ganz einfach, wie ein Gewerkschaftsvertreter erklärt: "Beim Gas schließt man einen Hahn, beim Strom legt man einen Hebel um."

Auch in Altersheimen ging schon das Licht aus, was die Regierung besonders erbost. "Sabotage" sei so etwas, schimpft Regierungschef François Fillon. "Eine Schande", sagt Arbeitsminister Brice Hortefeux und kündigt Strafen an. Gerade älteren Menschen in Gefahr zu bringen, sei "in keiner Weise hinnehmbar". Bislang hat die Polizei aber keine Übeltäter ausfindig gemacht.

Am Donnerstag spitzte der Konflikt sich zu, als Mitarbeiter von ErDF und GrDF die Zentrale des Gasversorgerverbandes in Paris stürmten (wir berichteten) und einen Teil der Büros verwüsteten; die Polizei nahm 74 Menschen in Gewahrsam, ließ sie aber nach kurzer Befragung wieder frei.

Alles für mehr Lohn

Die Beschäftigten der Netzbetreiber fordern fünf Prozent mehr Lohn und eine Einmalzahlung von 1500 Euro. Denn seit die Unternehmensbereiche aus den Großkonzernen ausgegliedert worden seien, hätten sich die Arbeitsbedingungen deutlich verschlechtert, sagen die Gewerkschaften.

Bei GrDF und ErDF verdienten die Leute jetzt "deutlich weniger". Die Jüngeren kämen gerade mal auf 1200 Euro brutto im Monat. Trotzdem passten die Streikenden auf, wem und wann sie den Strom abstellen, sagt Max Royer von der Gewerkschaft Force Ouvrière. Einen Stromausfall in einer Klinik heiße niemand gut.

Black out im Krankenhaus

Doch in einem Krankenhaus in der Nähe von Lille hatte eine halbe Stunde lang "blanke Panik" geherrscht, als an einem Dienstagmorgen im April der Strom ausfiel, wie Mitarbeiter berichteten. Weil die Operationssäle kein Fenster haben, standen Rettungsmannschaften im Dunkeln; Ärzte steckten auf Gängen fest, weil ihre elektronischen Zutrittskarten nicht mehr funktionierten. Aus einer Intensivstation im dritten Stock wurden zwei Patienten mit künstlicher Beatmung über eine Leiter herausgeholt und in ein anderes Krankenhaus gebracht. Die Gewerkschaften wiesen jede Verantwortung zurück. Tatsächlich gehe der "Black out" in Douai nicht auf das Konto von Beschäftigten, erklärt die Gewerkschaft CGT. Ein "technisches Problem" habe dazu geführt.

Stromzähler in einigen Haushalten manipuliert

Damit der Unmut in der Bevölkerung nicht zu groß wird, stellen die Streikenden den Strom nicht nur ab, sondern bisweilen auch an. Nach Robin-Hood-Manier sorgen sie dafür, dass teilweise wieder Strom in Haushalten fließt, die die Rechnung nicht bezahlt haben. Teilweise manipulieren sie die Zähler auch so, dass der Strom umsonst aus der Steckdose kommt.

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