Erhöhtes Angebot

Französische EDF übernimmt Großbritanniens Atomkraftwerke (Upd.)

Der französische Energiekonzern EDF übernimmt durch den milliardenschweren Kauf von British Energy praktisch alle Atomkraftwerke in Großbritannien. Damit ist EDF nicht nur in Frankreich, sondern auch in Großbritannien Quasi-Monopolist für Atomenergie.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Paris/London (AFP/sm) - Nach monatelangen Verhandlungen erhöhte EDF sein Angebot für das Unternehmen nochmals leicht auf rund 15,6 Milliarden Euro, wie das französische Unternehmen am Mittwoch in Paris mitteilte. Die Führung von British Energy stimmte der Übernahme zu, ebenso wichtige Großaktionäre, darunter die britische Regierung. EDF erhält damit wie in Frankreich im Vereinigten Königreich praktisch ein Monopol als Anbieter von Atomenergie und wird auch größter Stromproduzent.

British Energy (BE) betreibt acht der zehn britischen Atomkraftwerke und deckt etwa ein Fünftel des Strombedarfs in Großbritannien. Zwei weitere Kernkraftwerke älterer Bauart befinden sich im Besitz des staatlichen Unternehmens BNFL und sollen 2010 abgeschaltet werden. Die britische Regierung hatte im Januar beschlossen, wieder verstärkt auf den Ausbau der Kernkraft zu setzen. Grund sind die steigenden Preise für fossile Energieträger wie Kohle und Öl und eine zu langsame Entwicklung erneuerbarer Energien in Großbritannien.

EDF mit derzeit 58 Reaktoren in Frankreich kündigte an, in Großbritannien vier Europäische Druckwasserreaktoren (EPR) zu bauen. Der erste soll Ende 2017 ans Netz gehen. Der britische Premierminister Gordon Brown sagte, er freue sich darüber, dass "die Erneuerung (der britischen Atombranche) Wirklichkeit wird". Die Regierung in London hält bisher 35,2 Prozent an British Energy.

EDF sprach von einer "historischen Etappe bei unseren Plänen einer strategischen Entwicklung in Europa". Auch der Investmentfonds Invesco, mit rund 15 Prozent an BE beteiligt, akzeptierte demnach das neue Angebot. Der Fonds hatte zusammen mit dem Unternehmen M&G die vorangegangene Offerte abgelehnt. EDF-Chef Pierre Gadonneix zeigte sich "ziemlich zuversichtlich", dass auch der bisher zögernde zweite Großaktionär M&G nun zustimmen wird.

Noch vor einigen Wochen hatte Gadonneix gesagt, er wolle British Energy "nicht zu jedem Preis kaufen". Mit der Übernahme kann EDF jetzt aber einen Erfolg vermelden, nachdem der US-Milliardär Warren Buffet dem Energiekonzern vergangene Woche das US-Unternehmen Constellation vor der Nase weggeschnappt hatte. Gadonneix versicherte, EDF habe trotz des erhöhten Angebots seine finanziellen Kapazitäten durch die Übernahme in Großbritannien nicht erschöpft. Die französische Gewerkschaft Force Ouvrière (FO) erklärte, das Unternehmen zahle "viel zu viel" für British Energy. FO fürchte Folgen für die Arbeitplätze von EDF in Frankreich.

EDF bietet den Anteilseignern jetzt pro Aktie entweder 7,74 Pfund in bar (bisher: 7,65 Pfund) oder sieben Pfund in bar und den Rest in Aktien. Jedoch ist noch unklar, ob EDF alle Anteile übernehmen wird: Die Franzosen verhandeln mit dem britischen Gasunternehmen Centrica, 25 Prozent der BE-Anteile zu übernehmen. Bedingung für den Deal sei das aber nicht, erklärte EDF.

Das Geschäft soll Ende diesen oder Anfang nächsten Jahres abgeschlossen werden. EDF bleibt danach mit einem zusammengerechneten Umsatz von 63,1 Milliarden Euro auf Rang vier der weltgrößten Energiekonzerne nach dem chinesischen Unternehmen State Grid, dem französischen GDF-Suez und dem deutschen Eon-Konzern. Die Börse begrüßte den Kauf: Die EDF-Aktie legte in Paris bis zum Nachmittag um 3,8 Prozent auf 52,05 Euro zu.

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