Nicht genug Erfahrung

Frankreichs Vorzeigereaktor EPR kommt erst Jahre später

Das Vorzeigeprojekt der französischen Atomindustrie verzögert sich einem Zeitungsbericht zufolge um mindestens zwei Jahre: Der neue Atomreaktor am Ärmelkanal werde nicht wie geplant 2012 in Betrieb gehen, berichtete die französische Tageszeitung "Le Figaro" am Dienstag unter Berufung auf Branchenkreise.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Paris (afp/red) - Dies liege unter anderem daran, dass die Ingenieure nicht genügend Erfahrung mit einer derart großen Baustelle hätten und dass die französische Atomaufsichtsbehörde (ASN) immer höhere Anforderungen für den Bau des Europäischen Druckwasserreaktors (EPR) stelle. Es gebe nicht einmal einen genauen Zeitplan für einen Prototyp des Reaktors.

Energiekonzern EDF hält offiziell an Zeitplan fest

Der französische Energieriese EDF hielt gegenüber dem "Figaro" offiziell an seinem Ziel fest, den Atomreaktor in Flamanville 2012 in Betrieb zu nehmen und 2013 ans Netz anzuschließen. Das Unternehmen hatte im November erstmals eingestanden, dass der Bau des Reaktors der vierten Generation sich verzögere, indem es die geplante Stromlieferung des EPR erst für 2013 ankündigte. Anfang November hatten die Atomaufsichtsbehörden in Großbritannien, Frankreich und Finnland wegen Sicherheitsmängeln im Reaktorkontrollsystem gemeinsam eine Nachbesserung des Konzepts gefordert.

EPR in Finnland mit 3 Jahren Verspätung

Der Reaktor in Flamanville ist europaweit der zweite EPR; der erste wird derzeit in Finnland gebaut. Er wird voraussichtlich mit drei Jahren Verspätung seinen Betrieb aufnehmen. Der französische Atomkonzern Areva hatte den European Pressurized Water Reactor (EPR) zusammen mit dem Münchener Industriekonzern Siemens entwickelt. Frankreich setzt große Hoffnung in die Ausfuhr der EPR-Technik. Zwei Europäische Druckwasserreaktoren werden derzeit bereits in China gebaut.

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