Au revoir AKW

Frankreichs Sozialisten planen die Energiewende

Die französischen Sozialisten haben angekündigt, bis 2025 einen Teil der 58 Atomkraftwerke im Land abzuschalten. Da im Frühjahr Wahlen anstehen und die Linke derzeit in Umfragen vorne liegt, sieht die Atomlobby ihre Felle davonschwimmen. Zudem bescheinigen Untersuchungen den französischen AKW Nachbesserungsbedarf in Sachen Sicherheit.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Saarbrücken/Paris (dapd-rps/red) - Drei Viertel des französischen Stroms kommen aus Atomkraftwerken. Diesen Anteil will die sozialistische Partei gemeinsam mit den "Grünen" Europe Ecologie-Les Verts (EELV) nun um zunächst um einen Teil reduzieren, indem 24 der 58 Atomkraftwerke bis 2025 abgeschaltet werden sollen. Mit diesem Versprechen wagt man sich in den Wahlkampf gegen die Konservativen und den aktuellen Präsidenten Sarkozy.

Kompromissprogramm gegen die Atomenergie

Die EELV hatten gar vorgehabt, ganz auszusteigen, mussten sich aber der Mehrheit der Sozialisten beugen, wie RP online berichtet. Das würde eine Reduzierung des Atomstroms um immerhin ein Drittel bedeuten. Für Frankreich wäre jedoch allein dies schon eine gewaltige Umstellung, da das Land zu einem so großen Teil auf Atomenergie setzt und andere Energieträger fast vollständig importieren muss.

Das ist auch ein Angriffspunkt für die Atomlobby: Strom würde um 30 bis 40 Prozent teurer werden, zitiert die RP den Atomexperten Lionel Taccoen. Milliarden würden "zum Fenster hinausgeschmissen", da die Kraftwerke zum großen Teil bis 2050 finanziell abgeschrieben seien.

Französische Meiler nicht sicher genug

Indes haben die Saar-Grünen Konsequenzen aus den Stresstest-Ergebnissen für französische Atomkraftwerke gefordert. "Pannenmeiler" wie Cattenom und Fessenheim an der Grenze zu Deutschland müssten "sofort vom Netz genommen werden", sagte Landeschef Hubert Ulrich am Freitag in Saarbrücken. Auch das französische Strahlenschutzinstitut hat in einem Bericht Nachbesserungen an den Sicherheitseinrichtungen des französischen Atomparks gefordert.

Der französischen Atomlobby warf Ulrich "Panikmache" vor, wenn sie vor Stromausfällen und Massenarbeitslosigkeit warne. Der deutsche Atomausstieg zeige, dass der Umstieg auf erneuerbare Energien funktioniere und sich sogar zu einem Jobmotor und wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickeln könne.

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