Dritte Generation

Frankreich will zweiten EPR-Atommeiler bauen

Frankreich hat den Bau eines zweiten hochmodernen Druckwasserreaktors beschlossen. Der Atommeiler werde in der Nähe der Stadt Dieppe am Ärmelkanal gebaut, erklärte Staatschef Nicolas Sarkozy am Donnerstagabend. Die Arbeiten für den Europäischen Druckwasserreaktor (EPR) am Standort Penly sollen in drei Jahren beginnen.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Paris (AFP/sm) - Der Energiekonzern EDF werde "in den kommenden Wochen" ein Dossier zum Bau in Penly vorlegen, erklärte der Elyséepalast. Neben dem Stromriesen, der die bestehenden 58 Atomreaktoren in Frankreich betreibt, werde der Gaslieferant GDF-Suez eine Minderheitsbeteiligung an dem Projekt haben. Die beiden Unternehmen hatten seit Monaten um den Auftrag konkurriert.

Der neue EPR soll nach Angaben des Elysée im Jahr 2017 ans Netz gehen. Laut der Online-Ausgabe des "Figaro" könnte die Regierung überdies schon bald den Bau eines dritten EPR bekannt geben. EDF-Chef Pierre Gadonneix sprach von einer "hervorragenden Nachricht" für die französische Atomindustrie, auch im Hinblick auf Arbeitsplätze. Die Entscheidung untermauere die langfristige Strategie der Branche, "Produktionsmittel ohne Kohlendioxid" auszubauen.

Umweltschützer befürchten Abkehr von erneuerbaren Energien

Die französischen Atomkraftgegner kritisierten die Ankündigung des Staatschefs. Ein weiterer EPR werde Frankreich von seinem Vorhaben abbringen, bis zum Jahr 2020 ein Fünftel seiner Energie aus erneuerbaren Quellen zu beziehen, erklärte der Dachverband Sortir du Nucléaire (Atomausstieg). Die Umweltschutzorganisation Greenpeace warf der Regierung vor, mit ihrem Alleingang "die Demokratie vollkommen zu verleugnen".

Sarkozy hatte im Juli den Bau des zweiten EPR bekannt gegeben. "Die Zeit des billigen Erdöls ist vorbei", sagte er damals. "Die Atomkraft ist mehr denn je eine Zukunftsenergie." Frankreich könne mit der neuen Generation der Atomreaktoren sogar Strom exportieren, obwohl es weder Erdöl noch Erdgas habe.

EPR soll leistungsfähiger und sicherer werden

Der erste französische EPR in Flamanville am Ärmelkanal soll 2012 ans Netz gehen. Er kostet rund vier Milliarden Euro, ein Fünftel mehr als geplant. Schon für diesen Reaktor war Penly als Standort im Gespräch gewesen. Der erste EPR-Reaktor überhaupt entsteht in Finnland. Er sollte ursprünglich in diesem Jahr fertig werden, geht aber nach etlichen Verzögerungen wohl nicht vor 2012 in Betrieb.

Die Atomreaktoren der dritten Generation sollen leistungsfähiger und sicherer als bisherige Atomkraftwerke sein. Sie wurden vom französischen Atomkonzern Areva zusammen mit dem Münchner Siemens-Konzern entwickelt. Frankreich bezieht knapp vier Fünftel seines Stroms aus Atomkraftwerken, die größtenteils aus den 80er Jahren stammen.

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