Trumpf für Wettbewerbsfähigkeit

Frankreich will Krise für Ausbau seiner Atomindustrie nutzen

Frankreich will die weltweite Wirtschaftskrise für den planmäßigen Ausbau seiner Atomindustrie nutzen. Diese sei ein "bedeutender Trumpf" für Frankreichs Wettbewerbsfähigkeit, sagte Regierungschef François Fillon am Montag bei der Einweihung des ersten Teils einer neuen Urananreicherungsanlage im Süden des Landes.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Pierrelatte (afp/red) - Der staatliche Atomkonzern Areva müsse daran teilhaben, dass die Kernkraft derzeit einen Aufschwung erlebe. "In Zeiten der Krise ist das eine außergewöhnliche Chance", sagte der Premierminister im südfranzösischen Tricastin. Frankreich wolle "eine offensive Strategie" verfolgen, "vor allem im Ausland".

Die französische Opposition wirft Staatschef Nicolas Sarkozy vor, er habe sich zum "Handelsvertreter" der Atomindustrie gemacht, weil er bei nahezu jeder seiner Auslandsreisen ein Atomgeschäft abschließt. Areva-Chefin Anne Lauvergeon begleitet den Präsidenten bei den Reisen stets. Ihr Unternehmen setzt dabei auf den Verkauf von Kraftwerken mit langfristigen Uranlieferungen.

Auch um dies bereitzustellen, wird die Anlage in Tricastin gebaut, die in der zweiten Jahreshälfte Uran liefern soll. Ansonsten benötigt Frankreich auch selbst Brennstoff für seine 58 Atomreaktoren, die vier Fünftel des französischen Stroms produzieren.

Zuletzt sprach Sarkozy am Montag mit Rumänien über eine Zusammenarbeit. Der Präsident habe seinem rumänischen Kollegen Traian Basescu angeboten, dem Land beim Bau eines zweiten Atomkraftwerkes zu helfen, teilte der Elyséepalast mit.

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