Rüge

Frankreich informiert nicht ausreichend über seine Atomanlagen

Nach der Pannenserie in der französischen Atomanlage Tricastin, der weltweit größten ihrer Art, hat ein von der Regierung beauftragter Kontrollausschuss festgestellt, dass die Bürger unzureichend über die Nuklearstandorte im ganzen Land informiert werden.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Paris (AFP/sm) - Es gebe Defizite bei den öffentlich zugänglichen Informationen über Lager für radioaktive Abfälle und bei der Überwachung der möglichen Verseuchung des Grundwassers um Atomanlagen, teilte das Hohe Komitee für Transparenz und Information über die Nuklearsicherheit (HCTISN) am Dienstagabend in Paris mit. Obgleich es solche Informationen gebe, seien sie "verstreut, uneinheitlich und schwer für die Öffentlichkeit zugänglich".

Der aus Parlamentariern und Experten bestehende Ausschuss forderte, die Angaben künftig in einem Internetportal zu bündeln, damit interessierte Bürger sich informieren könnten. Zudem müsse "eine vielseitige, glaubwürdige und unabhängige Gutachterkapazität" aufgebaut werden. Das Komitee bedauerte zudem, dass es bisher keine ausreichenden Informationen über den Transport radioaktiver Stoffe auf dem Seeweg gebe. Umweltminister Jean-Louis Borloo hatte den 2006 gegründeten Ausschuss nach der Pannenserie in Tricastin mit einer Untersuchung beauftragt, um "vollkommene Transparenz" in der Atomfrage zu schaffen.

Tricastin ist die größte Atomanlage der Welt. Auf ihrem 600 Hektar großen Gelände im Süden Frankreichs sind sowohl Kernkraftwerke und Forschungseinrichtungen als auch Betriebe zur Abfallbeseitigung untergebracht. Anfang Juli gelangten dort in einem Betrieb zur Reinigung radioaktiv verstrahlter Materialien sechs Kubikmeter uranhaltige Flüssigkeit in die Umwelt. Bei dem letzten Vorfall Anfang September verkeilte sich in einem Reaktor ein Brennelementebehälter, woraufhin der Stromkonzern EDF die betroffene Anlage stilllegen musste.

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