"Die Lager sind voll"

Fragen und Antworten zum Ölpreis

Der Ölpreis steuert auf Rekordhöhen zu. Zu Ursachen und Auswirkungen hat die Nachrichtenagentur dapd Professor Michael Bräuninger befragt, Energie- und Rohstoffexperte beim Hamburger Weltwirtschaftsinstitut (HWWI). Eine reale Knappheit sei nicht das Hauptproblem, so Bräuninger.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

München (dapd/red) - Folgende Fragen hat die Agentur Professor Bräuninger gestellt:

Warum ist der Ölpreis so gestiegen?

Aus zwei Gründen, sagt Bräuninger: Mit dem weltweiten Wirtschaftsaufschwung hat auch die Nachfrage nach Öl schon im vergangenen Jahr deutlich angezogen. Und jetzt haben die Unruhen in mehreren arabischen Ländern die Märkte verunsichert. Die mögliche Ausweitung auf Ölförderländer heizt die Spekulation an und treibt die Preise hoch. Inflationsbereinigt ist Öl übrigens derzeit nicht teurer als vor 30 Jahren - nach realer Kaufkraft war Öl jahrelang billiger geworden und hat erst 2008 und 2011 wieder die Preise von 1980 erreicht.

Wen trifft der hohe Ölpreis?

Die ganze Volkswirtschaft. Auch Gas- und Strompreise steigen. Der Ölpreisanstieg bremst den Konjunkturaufschwung zwar, gefährdet ihn aber noch nicht. Die Automobilindustrie hat schon beim Ölpreisschock 2008 ihre Modellpalette angepasst und Fahrzeuge mit geringerem Verbrauch auf den Markt gebracht. Ein neuer Schock sei nicht zu erwarten, sagt Bräuninger. Energieintensive Branchen sind weltweit gleichermaßen betroffen und können die Preiserhöhungen an die Kunden weitergeben. Die privaten Haushalte müssen Benzin und Heizung teurer bezahlen, aber wegen steigender Einkommen bleibt trotzdem mehr für den privaten Konsum übrig.

Wie geht es weiter?

"Im Augenblick ist der Markt so angespannt, dass jede Meldung schnell zu neuen Preisspitzen führen kann", sagt Bräuniger. Er erwartet aber, dass sich die politische Lage demnächst beruhigt, die Spekulation abebbt und der Ölpreis von 100 auf etwa 85 Euro je Fass sinkt. "Die Lager sind relativ voll. Das zeigt, dass nicht reale Knappheit das Hauptproblem ist." Sollten die Unruhen aber auf große Ölförderländer wie Libyen oder die Golfstaaten übergreifen, könnte der Ölpreis so stark steigen, dass die Weltwirtschaft einen spürbaren Dämpfer bekäme.

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