CCS-Technologie

Forscher zweifeln an Erfolg von CO2-Abscheidung

Das Auffangen und unterirdische Speichern von Kohlendioxid aus Kraftwerken wird nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) keinen Beitrag zum Klimaschutz leisten können. Die sogenannte CCS-Technologie habe sich "als sehr unsicher und gleichzeitig sehr teuer erwiesen".

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (afp/red) - Das erklärte DIW-Forschungsdirektor Christian von Hirschhausen am Mittwoch. Vattenfall, Betreiber einer CCS-Pilotanlage, wies die Kritik zurück.

Der Einsatz der anfänglich mit vielen Hoffnungen verbundenen CO2-Abscheidung werde in Deutschland und Europa durch technische und wirtschaftliche Probleme, die starke Ablehnung der Bevölkerung sowie ungelöste Rechtsfragen verhindert, betonte Hirschhausen in Berlin bei der Vorstellung einer entsprechenden Studie des DIW zu dem Thema. Die Widerstände ließen die Technik womöglich scheitern und stellten die angebliche Bedeutung von CCS für den globalen Klimaschutz in Frage.

Anlässlich des zweijährigen Betriebsjubiläums seiner CCS-Pilotanlagen im brandenburgischen Schwarze Pumpe bezeichnete Vattenfall die Ergebnisse der Erprobung am Mittwoch als "vielversprechend". Rund 4700 Tonnen CO2 seien bisher aus dem Kraftwerksprozess abgeschieden und gespeichert worden. Das entspreche einer Abscheiderate von mehr als 90 Prozent. Die so gewonnenen Erfahrungen seien für die nächste Erprobungsschritte mit dem Testkraftwerk enorm wichtig.

CCS steht für "Carbon Dioxide Capture and Storage", also das Abfangen und Einlagern von Kohlenstoffdioxid (CO2). Befürworter aus der Energiewirtschaft sehen darin einen Beitrag zum Klimaschutz. Kritiker warnen vor den Risiken für Mensch und Umwelt und bezweifeln den Nutzen. In Deutschland gibt es bislang nur eine Pilotanlage in Brandenburg, die von dem Energiekonzern Vattenfall betrieben wird. Bis 2015 will das Unternehmen ein größeres Demonstrationskraftwerk bauen.

Die Bundesregierung plant derzeit einen erneuten Anlauf für eine gesetzliche Regelung erster CCS-Testprojekte. Das Bundeskabinett beschloss im Juli einen Entwurf, nachdem zunächst nur ein Erprobungsbetrieb erlaubt sein soll. Demnach wird die Größe der Gasspeicher auf eine maximale jährliche Speichermenge von drei Millionen Tonnen CO2 begrenzt. Insgesamt dürfen in Deutschland bis 2015 nur unterirdische Speicher mit einer Kapazität von bis zu acht Millionen Tonnen CO2 pro Jahr genehmigt werden. Ein erster Gesetzentwurf war 2009 unter anderem am Streit über die Haftungspflichten der Betreiber gescheitert. Auch gegen den neuen Entwurf gibt es bereits Widerstände, auch aus der Regierungskoalition.

In seiner Studie kommt das DIW zu dem Ergebnis, dass sich der in den von der Regierung in Auftrag gegebenen Energieszenarien bis 2025 erwartete Großeinsatz von CCS in der Praxis "sehr unrealistisch" sei. Die in dem neuen Gesetzentwurf vorgesehenen Speichergrößen reichten gar nicht aus, um den gesamten CCS-Prozess im großtechnischem Maßstab zu testen. Zudem würden die hohen Investitionskosten für die Entwicklung und Installation von Anlagen und Transportleitungen die Strompreise steigen lassen. Laut neueren Studien gebe es in Deutschland zudem immer weniger geeignetes Speichergestein. Insgesamt sollten die Mittel für die CCS-Realisierung besser etwa für erneuerbare Energien eingesetzt werden.

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