Statement

Forscher warnt vor Halbherzigkeit in der Klimapolitik

Der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans-Joachim Schellnhuber, warnt vor Halbherzigkeit in der internationalen Klimapolitik. In einem Beitrag für die "Zeit" warf er den Verantwortlichen "intellektuelle Doppelmoral und falsches Risikomanagement" vor.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg (ddp/red) - Die bisher von 76 Staaten gemeldeten Maßnahmenbündel zur Reduzierung des Treibhausgasausstoßes ließen einen Anstieg der Temperaturen bis 2100 um 3,5 Grad erwarten, obwohl bei der Weltklimakonferenz in Kopenhagen erstmals das Ziel aufgenommen wurde, die Erderwärmung auf höchstens zwei Grad zu begrenzen. Schellnhuber ist auch Berater der Bundesregierung.

Der Wissenschaftler machte klar, das kritisierte Zwei-Grad-Ziel lasse sich "auf vielfältige Weise wissenschaftlich untermauern". Es habe während der gesamten Entwicklungsgeschichte des Homo sapiens niemals höhere Temperaturen als das vorindustrielle Niveau plus zwei Grad Celsius gegeben. Zudem zeige eine Vielzahl neuer Forschungsarbeiten die Gefahr, "dass die Klimafolgeschäden mit fortschreitender Erwärmung überproportional zunehmen".

Kritik am jüngsten Bericht des Weltklimarats IPCC wegen inhaltlicher Fehler wies Schellnhuber zurück. "Bei einer großen Zukunftsfrage der Menschheit müssen sachliche Irrtümer nach dem aktuellsten Stand des Wissens aufs Minimum begrenzt werden. Der vierte, rund 3000 Seiten starke Sachstandsbericht des Klimarats liegt mit seinen an einer Hand abzählbaren Fehlern schon nahe an diesem Limit", heißt es in dem Beitrag, der auch von Claus Leggewie, dem Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen, und von Renate Schubert, der Direktorin des Instituts für Umweltentscheidungen an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, unterzeichnet ist.

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