Anbau etwa im Moor

Forscher empfehlen Schilf als Brennstoff für Kleinkraftwerke

Schilf eignet sich nach einer Studie der Universität Greifswald als Brennstoff für dezentrale Kleinkraftwerke und sollte daher vor allem in den norddeutschen Niederungen verstärkt angebaut werden. Die Brenneignung sei viel besser als etwa bei Stroh.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Greifswald (ddp/red) - Allein in Mecklenburg-Vorpommern könnten mehr als 50.000 Hektar Sumpfkulturflächen zur Gewinnung für diesen nachwachsenden Rohstoff genutzt werden, sagte Wendelin Wichtmann vom Institut für dauerhaft umweltgerechte Entwicklung von Naturräumen der Erde (DUENE).

Ein Forscherteam hatte zusammen mit mehreren Praxispartnern zwei Jahre lang den Anbau und die Ernte von Schilf auf wiedervernässten Flächen im Nordosten Deutschlands getestet. In Freilandversuchen bei Neukalen seien auf einem mehr als zwei Hektar großen Testfeld unterschiedliche Pflanz- und Erntemethoden erprobt worden, sagte der Agraringenieur. Demnach könnten auch überflutete Niedermoorflächen maschinell bearbeitet werden. Bei optimaler Pflanzung könne das erste Schilf nach drei Jahren geerntet werden. Nach weiteren zwei bis fünf Jahren könne die Kultur für eine regelmäßige Belieferung von Kleinheizkraftwerken gewonnen werden.

Laborversuche im Komplexlabor der Fachhochschule Stralsund hätten gezeigt, dass sich Schilf sowohl als Beimenge zu herkömmlichen Brennstoffen als auch als Monobrennstoff eigne, sagte Wichtmann. Im Unterschied zu Stroh entstünden bei der Verbrennung weniger schwefelhaltige Abgase. Zudem sei die Gefahr von Schlackebildung geringer. Praxistests in einem Blockheizkraftwerk in Friedland, bei denen Schilf in verschiedenen Verhältnissen mit Holz gemischt wurde, bestätigten die guten Brenneigenschaften.

Nach Ansicht der Forscher ließe sich die Schilfbiomasse auch mahlen und anschließend zu kleinen Pellets pressen, die besser transportiert werden könnten. Als Kunden kämen Kleinkraftwerke im Umkreis von etwa 30 Kilometern mit einer Leistung zwischen 15 und 1000 Kilowatt in Frage. Unter anderem könnten landwirtschaftliche Betriebe mit hohem Wärmebedarf wie Schweinezucht-Unternehmen oder Aquakulturen auf Schilfbasis beheizt werden. Auch Gartenbaufirmen, Kleinbetriebe und Wohngebiete mit etwa 30 Häusern eignen sich nach Einschätzung der Experten als Abnehmer.

Gefördert wurde das Forschungsvorhaben von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit rund 400.000 Euro. Nach Abschluss der Untersuchungen empfehlen die Greifswalder Wissenschaftler geeignete Niedermoorflächen in den nächsten Jahren wiederzuvernässen und anschließend schrittweise mit Schilf zu bepflanzen. Je Hektar könnten etwa 10 bis 20 Tonnen Schilf geerntet werden, sagte Wichtmann.

Damit Schilf eine Chance auf dem Energiemarkt bekommt, müsste es aus Sicht der Forscher allerdings als nachwachsender Rohstoff anerkannt werden. Erst in diesem Fall könnten die Umstrukturierung der Landwirtschaft auf Wiedervernässung und der Schilfanbau vom Land wirksam gefördert werden. Handlungsbedarf sehen die Experten auch bei der Entwicklung besserer Erntetechniksysteme. Dagegen sei die zur Schilfverbrennung verfügbare Ofentechnik inzwischen ausgereift, sagte Wichtmann.

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