Schwere Körperverletzung

Formelle Ermittlungen gegen früheren Asse-Betreiber

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt nun auch formell gegen den früheren Betreiber des Atommülllagers Asse. Anlass sei eine Strafanzeige wegen schwerer Körperverletzung des ehemaligen Beschäftigten Eckbert Duranowitsch, sagte Behördensprecher Joachim Geyer am Montag. Die Anzeige sei "schlüssig".

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Braunschweig/Wolfenbüttel (ddp/red) - Duranowitsch arbeitete von 1987 bis 1990 in dem Bergwerk und bekam später Leukämie. Bisher hatte die Staatsanwaltschaft nur ein Vorermittlungsverfahren geführt und dabei neben Duranowitsch auch weitere frühere Asse-Mitarbeiter befragt, die an Krebs erkrankten.

Leukämie-Erkrankung durch Arbeit in der Asse

Duranowitschs Anzeige richtet sich gegen mehrere leitende Angestellte der Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung (GSF) als früherem Betreiber der Asse. Die GSF ging später in das Helmholtz-Zentrum München über. Seit Anfang 2009 trägt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) Verantwortung für das Atommülllager.

Duranowitsch war nach eigenen Angaben als Schlosser in praktisch allen Bereichen der Anlage tätig. "Ich bin regelmäßig mit Lauge in Berührung gekommen, die möglicherweise radioaktiv belastet war", sagte er. Für einen Zusammenhang der Tätigkeit mit seiner Leukämie-Erkrankung gebe es aus seiner Sicht "handfeste Indizien".

Arbeit sei "völlig ungefährlich" gewesen

Mit seiner Strafanzeige wolle er erreichen, dass die damals für den Betrieb und den Strahlenschutz in der Asse Verantwortlichen "zu dieser Verantwortung auch heute noch stehen müssen". "Mir wurde immer gesagt, dass meine Arbeit völlig ungefährlich sei", erklärte Duranowitsch. Es habe weder besonderen Schutzvorkehrungen gegen die Strahlenbelastung gegeben noch habe er ein Dosimeter getragen.

"Ich hoffe, dass diese Strafanzeige dazu führt, dass die Verantwortlichkeiten für das Desaster in Asse II der Staatsanwaltschaft aufgeklärt und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden", sagte Claus Schröder vom Asse-II-Rechtshilfefonds. Der Fonds unterstützt Klagen gegen das Atommülllager Asse und den früheren Betreiber.

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