"Riesenfehler"

Fischer sieht übergangsweise keine Alternative zur Kohlekraft

In der Kohle-Politik vertritt der ehemalige Grünen-Politiker Joschka Fischer eine eigenständige Position: Übergangsweise komme man nicht ohne Kohlekraft aus, sagte der frühere Grünen-Spitzenkandidat. Die Grünen-Spitze wies die Kritik zurück.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Berlin/Frankfurt am Main (ddp/sm) - "Ich sehe die Probleme der Kohle und beschönige nichts, aber für den Übergang kommen wir nicht ohne sie aus. Wir können uns nicht ins Abseits manövrieren und alles ablehnen, da werden wir schnell in die sektiererische Ecke gedrückt", sagte der frühere Außenminister dem Magazin "zeo2" der Deutschen Umwelthilfe. Kohlekraftwerke sollten künftig jedoch nur unter dem Vorbehalt genehmigt werden, dass sie nachgerüstet werden müssen, sobald die Technologie der CO2-Abscheidung und -Lagerung verfügbar sei.

Seine Position zur Atomkraftdiskussion beschreibt Fischer als "knallhart und unverändert". "Beim Atom dürfen wir nicht wackeln. Die entscheidenden Defizite der Atomenergie sind und bleiben ungelöst", sagte er. Die Partei lehnt den Neubau von Kohlekraftwerken ab.

Die Grünen-Spitze hat die Kritik ihres früheren Spitzenkandidaten Joschka Fischer am kohlekritischen Kurs der Partei zurückgewiesen. "Parteivorstand, die Fraktion und der letzte Parteitag sind anderer Meinung als Joschka Fischer", sagte Parteichef Reinhard Bütikofer der "Frankfurter Rundschau" (Donnerstagausgabe). Fischer hatte in einem Zeitschrifteninterview kritisiert, die Grünen machten einen "Riesenfehler" und würden in die "sektiererische Ecke gedrängt", wenn sie die Kohlekraft nicht weiter als Übergangstechnologie akzeptieren würden.

Grünen-Chef Bütikofer verteidigte den Beschluss, für den Bau neuer Kohlekraftwerke ein Moratorium zu fordern. Die "falsche Alternative", entweder Atom- oder Kohlekraft, könnten die Grünen "mit einer tragfähigen Innovationsstrategie hinter sich lassen", sagte Bütikofer der Zeitung.

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