Ein Toter, drei Verletzte

Explosion in französischer Atomanlage Marcoule (Upd.)

In der südfranzösischen Atomanlage Marcoule hat sich am Montag eine Explosion ereignet, bei der ein Mensch starb. Es bestehe die Gefahr, dass radioaktives Material aus der Anlage in der Nähe von Avignon entweiche, hieß es. Bislang war das nach Angaben von Behörden nicht der Fall.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Nimes (afp/red) - Auch in die Umgebung der Anlage, die etwa 20 Kilometer von Avignon entfernt ist, entwich der Regierung zufolge keine Radioaktivität. In dem explodierten Ofen wurden schwach radioaktive Abfälle aus Atomkraftwerken verbrannt. Dazu gehörten nach Angaben eines Sprechers des staatlichen Stromkonzerns EDF Pumpen, Rohre, Arbeitsanzüge und Handschuhe. "Es handelt sich um einen Industrieunfall, nicht um einen Atomunfall", sagte der Sprecher von EDF, dessen Tochterunternehmen Socodei die Anlage betreibt. Ein Feuer, das durch die Explosion ausgelöst wurde, brachte die Feuerwehr schnell unter Kontrolle.

Die Behörden richteten sofort nach dem Unglück eine Sicherheitszone ein. Die Anlage in Codolet, die zum Atomkomplex Marcoule gehört, wurde aber laut Innenministerium nicht evakuiert. Weder in der Anlage noch außerhalb sei Radioaktivität gemessen worden, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Umweltministerin Nathalie Kosciusko-Morizet wollte sich noch am Nachmittag vor Ort über die Auswirkungen der Explosion informieren, deren Ursache zunächst unklar war.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace forderte, die Bevölkerung schnell über mögliche radioaktive Schäden zu informieren. Die Anlage gehöre nicht zu denen, deren Sicherheit nach dem Willen der Regierung dem Unglück im japanischen Fukushima untersucht werden sollen. "Das zeigt noch einmal, dass Frankreich die Lektion aus Fukushima nicht gelernt hat", erklärte Yannick Rousselet von Greenpeace.

Das atomkraftgläubige Frankreich

In einem anderen Teil der Anlage Marcoule wird das hoch gefährliche Uran-Plutonium-Gemisch MOX produziert, das aus abgebrannten Uran-Brennstäben hergestellt wird. Erst im vergangenen Jahr hatte die Atomaufsicht dort zu "Wachsamkeit und Fortschritten" in Fragen der Sicherheit gemahnt. Im Frühjahr 2009 hatte sich in der MOX-Produktionsstätte ein Unfall der Stufe zwei auf einer siebenstufigen Skala ereignet. Marcoule im Rhônetal ist der weltweit größte Herstellungsort der MOX-Brennstäbe.

Frankreich ist mit 58 Reaktoren der größte Atomstromproduzent Europas. Auch nach dem Unglück von Fukushima hält die Regierung an der Atomkraft fest. Sie begründet das mit der ihren Angaben zufolge hohen Sicherheit französischer Atomkraftwerke.

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