Ökologisch und ökonomisch sinnvoll

Experten von Glos forden 40 Jahre Laufzeit für Kernkraftwerke (Upd.)

Eine von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) eingesetzte Expertengruppe fordert die Bundesregierung zur Erarbeitung eines "Kernenergie-Nutzungsgesetzes" auf. Die Gruppe aus hochrangigen Wissenschaftlern sowie Mitarbeitern des Ministeriums habe dafür konkrete Eckpunkte vorgelegt, berichtet der Berliner "Tagesspiegel".

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - "Eine Abkehr vom Ausstieg aus der Kernenergie ist ökologisch und ökonomisch sinnvoll und erforderlich", zitiert das Blatt aus dem Eckpunkte-Papier.

Darin empfehlen die Autoren, die derzeit auf 32 Jahre begrenzte Restlaufzeit der Atomkraftwerke auf "mindestens 40 Jahre" auszuweiten. Ohne einen solchen Schritt müsste in gut zehn Jahre fast doppelt so viel Strom wie heute aus Gas produziert werden. Dies würde angesichts der steigenden Weltmarktpreise für Erdgas Verbraucher "mit mehreren Milliarden Euro" zusätzlich belasten.

Um dies zu verhindern, sei es "möglichst schnell - spätestens zu Beginn der nächsten Legislaturperiode" - notwendig, den Beschluss der rot-grünen Bundesregierung über den Kernenergieausstieg zurückzunehmen.

Zur kurzfristigen Entlastung der Verbraucher empfehlen die Experten eine "politische Flankierung" von "Atomstrom-Tarifen". Das Angebot von billigerem Strom, der auf der Grundlage von preiswerter Atomenergie kalkuliert wird, habe eine "soziale Komponente". Außerdem werde der Kostenvorteil der Kernenergie dadurch breiten Bevölkerungsschichten bewusst. Im Ministerium hieß es laut "Tagesspiegel", das Papier sei noch nicht mit Glos abgestimmt.

Grüne: Mär vom billigen Atomstrom

Die Grünen warfen der Gruppe vor, die "Mär vom billigen Atomstrom" zu verbreiten. Unterschlagen würden die Subventionen für die Kernkraft und der Umstand, dass Zusatzgewinne aus alten abgeschriebenen Meiler bei den Verbrauchern nicht ankommen. Die stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Grünen, Jürgen Trittin und Bärbel Höhn, erklärten: "Während das Vorzeigebergwerk für Atommülllagerung im Salz, die Asse bei Wolfenbüttel, gerade in radioaktiver Lauge absäuft, empfehlen die Atomexperten die Produktion Tausender Tonnen zusätzlichen hoch radioaktiven Strahlenmülls. Das ist ökonomisch unsinnig und ökologisch verantwortungslos."

Der Energieexperte der Links-Fraktion, Hans-Kurt Hill, warf Glos vor, mit einer «Salamitaktik» den Atomausstieg rückgängig machen zu wollen.

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