Hohe See

Experten: Offshore-Anlagen zur Wasserstoffproduktion

Bisher gingen fast alle Betreiberkonzepte davon aus, die aus Windkraft gewonnene Elektroenergie über Seekabel an Land zu bringen. Statt dessen schlagen Experten nun kombinierte Wind-Wasserstoff-Systeme vor. Denkbar seien schwimmende Kraftwerksinseln, die zum Beispiel Wasserstoff für Fahrzeuge produzieren.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Stralsund (ddp-nrd/sm) - Die vor der deutschen Nord- und Ostseeküste geplanten Offshore-Anlagen sollten nach Ansicht von Wissenschaftlern vorrangig für die Produktion des speicherbaren Energieträgers Wasserstoff eingesetzt werden. Entsprechende Pläne haben Experten auf einem internationalen Energiesymposium gestern in Stralsund vorgestellt.

Bisher gingen fast alle Betreiberkonzepte davon aus, die aus Windkraft gewonnene Elektroenergie über Seekabel an Land zu bringen und dort ins Netz einzuspeisen, sagte Michael Wenske von der Stuart Energa Europe in Grimma. Durch die entstehenden Widerstände in den kilometerlangen Seekabeln würden jedoch hohe Energieverluste verursacht. Zudem müssten etwa 1000 Kilometer lange Stromtrassen auf dem Festland errichtet werden, um die Energie aus den Windparks auf See in den süddeutschen Raum zu transportieren.

Statt dessen schlagen die Experten kombinierte Wind-Wasserstoff-Systeme vor. Demnach könnte der Wasserstoff unmittelbar an der Küste oder auf Plattformen und Spezialschiffen auf hoher See hergestellt und als Druck- oder Flüssiggas vertrieben werden. Denkbar seien schwimmende Kraftwerksinseln, die zum Beispiel Wasserstoff für Fahrzeuge produzieren, sagte Wenske.

Experten gehen davon aus, dass der umweltfreundliche Energieträger Wasserstoff mit der Entwicklung des Wasserstoffverbrennungsmotors und der Brennstoffzelle in einigen Jahren Einzug in der Fahrzeugbranche halten wird. Nach einer "Verkehrswirtschaftlichen Energiestrategie" der Bundesregierung und mehrerer Fahrzeug- und Mineralölfirmen sollen bis 2010 in Deutschland 2,5 Prozent des gegenwärtigen Kraftstoffverbrauchs durch Wasserstoff ersetzt werden. Bis 2015 soll der Anteil von Wasserstofffahrzeugen auf 15 Prozent steigen. Dazu müssten jährlich etwa 2,5 Millionen Tonnen Wasserstoff hergestellt werden.

In Japan sind in diesem Jahr bereits erste Praxistests mit Wasserstoffautos angelaufen. In den Großräumen Tokio und Yokohama gebe es schon zehn Wasserstoffstationen, sagte der japanische Energieexperte Hirohisa Uchida. An dem Projekt beteiligten sich unter anderem die Automobilhersteller Toyota, Nissan, DaimlerChrysler, General Motors, Honda und Mazda sowie mehrere Energiekonzerne. "Wir gehen davon aus, dass bis zum Jahre 2010 etwa 50 000 Fahrzeuge mit Brennstoffzellen durch Japan rollen werden", sagte Uchida. Weitere zehn Jahre später werde die umweltfreundliche Flotte voraussichtlich auf fünf Millionen Fahrzeuge angewachsen sein.

Von Ralph Sommer

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