Keine Pause beim Klimaschutz

Experten: Klimawandel dramatischer als bislang angenommen

Die Erderwärmung steigt nach Expertenangaben stärker an als bislang angenommen. Noch in diesem Jahrhundert werde der Meeresspiegel noch um einen Meter ansteigen. Eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf 2,0 Grad lasse sich gerade noch erreichen, wenn das Ziel, die CO2-Emissionen bis 2050 zu halbieren, umgesetzt wird.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Alle sprächen derzeit von der Finanzkrise, bei der "virtuelle Werte abschmelzen", während es beim Klimaschutz "um die realen Werte wie das Grönlandeis" gehe, gibt Hans Joachim Schellnhuber, Klimaschutz-Berater der Bundeskanzlerin, am Donnerstag vor der Bundespressekonferenz zu bedenken: "Wenn das abgeschmolzen ist, kann man es nicht mehr ersetzen - und der Klimawandel stoppt natürlich nicht wegen der Finanzkrise."

Der Klimawandel schreitet offenbar schneller voran als bislang angenommen. So muss mittlerweile damit gerecht werden, dass der Meeresspiegel in diesem Jahrhundert um einen Meter ansteigt, wie der Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung berichtet. Als Grund nennt er ein "beschleunigtes Abschmelzen" des grönländischen Eisschildes und der Himalaya-Gletscher.

Chinas Kohlekraftwerke verschmutzen Grönland

Das wiederum liegt unter anderem an Rußpartikeln aus Chinas Kohlekraftwerken, wie der Institutschef erläutert: "20 Prozent dieser Partikel, die das grönländische Eisschild grauer machen und dadurch mehr Wärme absorbieren lassen, stammen nachweislich aus den chinesischen Kohlekraftwerken - ein echt globaler Effekt." Eine weniger weiße Eisfläche kann nämlich das Sonnenlicht nicht mehr so gut reflektieren und schmilzt deshalb schneller. Schellnhubers Fazit: "Die Luftverschmutzung spielt eine massive Rolle bei der Beschleunigung des Klimawandels".

Dabei wirkt sich die Luftverschmutzung auf verschiedene Weise auf die Erderwärmung aus. So verweist Schellnhuber auf eine jüngst präsentierte Studie von US-Forschern, wonach die bereits erfolgten Emissionen eine globale Erwärmung von 2,4 Grad Celsius bewirken, während sich etwa die EU eine Beschränkung auf höchstens 2,0 Grad zum Ziel gesetzt hat. Weil Atmosphärenpartikel wie Schwefelteilchen das Sonnenlicht ins All zurückreflektieren, liege aber "eine Art Verschmutzungsschleier" über der Erde, "der den Treibhauseffekt maskiert". Sollten China, Indien und andere Filter in ihre Kohlekraftwerke einbauen, um diesen Schmutzschleier zu reduzieren, werde sich dem US-Papier zufolge die globale Erwärmung "massiv beschleunigen".

2,0 Grad-Ziel "gerade noch" erreichbar

"Nur unser schmutziger Freund, die Luftverschmutzung, hilft uns im Augenblick noch, dass wir die Erderwärmung noch nicht in vollem Umfang sehen", resümiert Schellnhuber. In der US-Studie noch nicht berücksichtigt sei indes, dass die Ozeane noch "größere Mengen von Treibhausgase aufnehmen können". Nach Berechnungen seines Instituts lasse sich daher eine Beschränkung der Globalerwärmung auf 2,0 Grad "gerade noch" erreichen, wenn das in diesem Jahr vereinbarte G8-Szenario umgesetzt wird, die Treibhausgasse bis 2050 zu halbieren und bis zum Ende des Jahrhunderts vollständig aus der CO2-Produktion auszusteigen.

Dabei aber darf "nichts mehr schief gehen", mahnt der Institutsleiter. Vielmehr müssten zwischen 2015 und 2020 "die Kurse der globalen Emissionen heruntergebogen werden", fordert Schellnhuber und warnt vor einer Pause beim Klimaschutz: Jedes Zögern würde bedeuten, "dass die fundamentalen Klimaschutzziele nicht mehr erreicht werden können".

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