Experten halten kommerziellen Fusionsreaktor ab 2050 für realistisch

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com
Kommerzielle Fusionskraftwerke werden nach Einschätzung von Professor Alexander Bradshaw vom Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Garching gegen Mitte des Jahrhunderts in Betrieb gehen können. Bei der Anhörung des Bildungs- und Forschungsausschusses zum Thema "Kernfusion", die am Mittwochvormittag begonnen hat, stellte Bradshaw weiter fest, das geplante ITER-Projekt (Internationaler Thermonuklearer Experimentierreaktor) werde die physikalische und technische Machbarkeit der Fusion als Energiequelle beweisen. Hier warte man auf eine politische Entscheidung, die ebenfalls den Zeitplan bestimme.


Professor Hardo Bruhns von der EU-Kommission in Brüssel skizzierte diesen Zeitplan. Danach sei für das modifizierte ITER-Projekt eine Bauzeit von zehn Jahren anzusetzen, gefolgt von einer zehnjährigen Experimentierphase. Als letzter Schritt könne dann der Demonstrationsreaktor DEMO realisiert werden, der bereits Elektrizität erzeugen wird.


Die Länge der Planungs- und Bauzeiten erklärte Professor Ulrich Samm vom Forschungszentrum Jülich mit der erforderlichen Größe der Reaktoren. Energie könne nur gewonnen werden, wenn die Plasmen ausreichend groß seien. Deshalb könne es keine kleinen Fusionsreaktoren geben, auch nicht in der Experimentierphase.


Von der Mehrzahl der Sachverständigen wurde die zeitliche Prognose bis zur Inbetriebnahme eines ersten kommerziellen Fusionsreaktors als realistisch angesehen, "wenn alle bislang geplanten, notwendigen Entwicklungsschritte erfolgreich durchgeführt werden können" (Wolfgang Liebert, Interdisziplinäre Arbeitsgruppe Naturwissenschaft, Technik und Sicherheit - IANUS, Technische Universität Darmstadt). Dagegen setzte Professor Manfred Heindler von der Technischen Universität in Graz "ein großes Fragezeichen" bei der Einhaltung des Fahrplans hinsichtlich der Verfügbarkeit von Materialien für die Fusionsbauteile. Er sehe nicht, dass ITER die technische Machbarkeit zeigen werde.


Auf die Frage nach den Fördermitteln der EU für die Fusionsforschung erklärte der Kommissionsvertreter, seit Beginn des Europäischen Forschungsprogramms seien 10 Milliarden Euro eingesetzt worden. Gegenwärtig würden knapp 500 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung gestellt, so dass bis zu einem kommerziellen Reaktor Kosten von etwa 50 Milliarden Euro entstehen würden. Nach den Worten der Ausschussvorsitzenden Ulrike Flach (FDP) ist die Kernfusion seit vielen Jahren Hoffnungsträger für die zukünftige Energieversorgung. Grundlage der Anhörung seien die Anträge von FDP (Bundestagsdrucksache 14/3813) und CDU/CSU (Bundestagsdrucksache 14/4498), in denen die Bundesregierung aufgefordert werde, weiterhin Forschung zur künftigen Nutzung der Kernfusion als Energieträger zu fördern.

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