Gasstreit

Experten fordern staatliche Gasreserve (Upd.)

Angesichts des Gasstreits zwischen der Ukraine und Russland wird die Forderung nach einer nationalen Gasreserve laut. Neben dem Außenhandelsverband für Mineralöl und Energie (AFME) hat sich auch die Internationale Energie Agentur (IEA) für eine Sicherheitsreserve, wie es sie bereits für Mineralöl gibt, ausgesprochen.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf (ddp/sm) - "Auf die Gas-Lieferverträge allein können wir uns offensichtlich nicht verlassen", sagte AFME-Geschäftsführer Bernd Schnittler genüber der "Rheinischen Post". Aktuell sei schließlich zu sehen, "wieviel solche Garantien wert sind." Deswegen sei Deutschland gut beraten, neben den Speichern der Energieunternehmen auch eine strategische 90-Tage-Reserve für Erdgas aufzubauen. Dafür müsse die Bundesregierung möglichst schnell die gesetzlichen Grundlagen schaffen, forderte Schnittler.

Auch Claudia Kemfert, Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, (DIW) ist der Meinung: "Es ist nötig, dass sich die europäischen Länder Gedanken über eine strategische Gasreserve machen. Einige sind völlig unvorbereitet und dementsprechend ist bereits innerhalb weniger Tage das Gas knapp", sagte sie der "Berliner Zeitung". Jedes Land solle - ähnlich wie Deutschland - eine für mehrere Wochen ausreichende Reserve aufbauen. Dazu müssten Anreize für die Versorger geschaffen werden.

Auch die Internationale Energie Agentur (IEA) fordert mehr Anstrengungen. "Die europäischen Länder müssen sich besser auf Krisen wie diese vorbereiten", sagte Ian Cronshaw, Leiter der Abteilung Energie-Diversifikation, der Berliner Zeitung. "Größere Speicher sind dafür in manchen Regionen wichtig." Unter den großen Ländern hätten zum Beispiel Spanien und Großbritannien nur geringe Speicherkapazitäten. Entscheidend sei aber ein Gesamtkonzept - das in vielen Ländern bisher kaum existiere. Dazu gehörten vor allem auch flexible und offene Märkte.

BDEW gegen staatlich kontrollierte Gasreserve

Die Gaswirtschaft lehnt staatliche Speicher ab. Martin Weyand, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), sagte: "Wir brauchen keine staatlich kontrollierte, strategische Erdgasreserve wie beim Mineralöl." Dies werde das Gas weiter verteuern und die Verbraucher unnötig belasten. "Investitionsanreize in Erdgasspeicher würden sinken. Das wäre vor dem Hintergrund der Finanzkrise das falsche Signal und würde letztlich nicht zu mehr, sondern zu weniger Versorgungssicherheit führen."

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