hoch, mittel und schwach

Experte: Einteilung von Atommüll sagt nichts über Gefahren

Die übliche Einteilung von Atommüll in hoch, mittel und schwach radioaktive Abfälle reicht nach Ansicht des emeritierten Göttinger Chemie-Professors Rolf Bertram für eine Bewertung möglicher gesundheitlicher Gefahren nicht aus. Er fordert eine Überprüfung der Strahlenschutz-Normen und ein Herabsetzen der Grenzwerte.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Göttingen/Wolfenbüttel (ddp/sm) - "Diese nach der Energiedosis bemessene Klassifizierung sagt noch nichts über die schädigende Wirkung der Strahlung und unterscheidet auch nicht die verschiedenen Strahlungsarten", sagte der Wissenschaftler im Gespräch mit der Nachrichtenagentur ddp.

Im Bereich der Atomenergie wird laut Bertram zwischen Alpha-, Beta-, Gamma- und Neutronen-Strahlung unterschieden. "Unterschiedliche radioaktive Strahlungsarten schädigen bei gleicher Energiedosis unterschiedlich stark", sagte Bertram. Die Nichtbeachtung dieser Tatsache könne zu "verhängnisvollen Fehleinschätzungen" führen. Im niedersächsischen Atommülllager Asse könnten beispielsweise von den schwach radioaktiven Gebinden aufgrund ihres hohen Anteils an Alphastrahlern größere Gefahren ausgehen als von den mittel radioaktiven Gebinden.

Als Beispiel nannte Bertram den radioaktiven Stoff Americium-241. "Die Alpha-Strahlung dieses Nuklids übertrifft die Alpha-Strahlung aller anderen in der Asse eingelagerten Substanzen bei weitem", sagte der Wissenschaftler. Nach seinen Schätzungen befindet sich rund ein Kilogramm Americium-241 in der Asse. Dies sei im Übrigen "ein sicheres Indiz, dass dort auch bestrahlter Brennstoff eingelagert wurde". Americium sei ein sogenanntes Tochternuklid von Plutonium-241, das während des Reaktorbetriebes in den Brennelementen entstehe.

Bertram forderte, die bestehenden Strahlenschutz-Normen kritisch zu überprüfen und die Grenzwerte herabzusetzen. Strahlenmedizinische und strahlenbiologische Forschungsergebnisse zeigten, dass die 1977 von der Internationalen Strahlenschutzkommission standardisierten Grenzwerte weder die schädigenden Dosen noch die Risikofaktoren richtig wiedergäben. "Alle Materie, die von ionisierender Strahlung getroffen wird, erleidet Veränderungen", sagte Bertram.

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