Atommüll

Ex-Mitarbeiter: Manipulation bei Gorleben-Daten

Untersuchungsergebnisse zur Gorleben Ersterkundung sollen manipuliert gewesen sein. Dies behauptet jetzt ein ehemaliger Mitarbeiter, der in den 70er Jahren Probebohrungen in dem für das Endlager vorgesehenen Salzstock betreute. Der Geologe behauptet, die Daten hätten damals den Schluss zugelassen, dass der Salzstock für ein Endlager nicht geeiggnet sei.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Gorleben (ddp/red) - Schwere Vorwürfe gegen das Endlager Gorleben erhebt derzeit der Geologe Thomas Diettrich. Dem Ingeneurgeologen zufolge sollen die Untersuchungsergebnisse der Erstbohrungen manipuliert worden sein. Der heute 67jährige war in den 70er und 80er Jahren unter anderem als Angestellter für das Frankfurter Ingeneur-Unternehmen Lahmeyer tätig, das die ersten Probebohrungen in der Salzstockregion durchführte. Diettrich war dabei zuständig für die Betreuung der Bohrungen und die anschließende Auswertung. Diese Bohrungen hätten erbracht, so der Geologe, dass Gorleben als Endlager für Atom Müll nicht geeignet sei.

DWK sollen Mitarbeiter angewiesen haben, Daten zu verschweigen

"Die geologische Struktur im Deckgebirge über dem Salzstock war sehr zerklüftet und die Gefahr groß, dass Oberflächenwasser vergleichsweise schnell in Kontakt mit dem Salzstock kommt,"erkärte der Experte gegenüber der Frankfurter Rundschau. Zudem seien auch die Daten zur Fließgeschwindigkeit des Salzes ungünstig gewesen. Wichtig ist diese Fließgeschwindigkeit für den Bau der Stollen und Lagerrräume im Salzstock.

Allerdings seien diese Ergebnisse dem damaligen Auftraggeber, der Deutschen Gesellschaft zur Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen (DWK) gar nicht recht gewesen. Die Verantwortlichen der DWK hätten die Mitarbeiter deshalb angewiesen, aus der Menge der Daten, die auszuwählen, die das Projekt in einem günstigen Licht erscheinen ließen. Diettrich betont ausdrücklich, dass er kein Gegner der Endlagerung sei. Wie der Experte verlauten ließ, sei Gorleben jedoch der ungeeignetste aller Standorte für ein Endlager.

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