Entscheidung

EWN übernimmt Planung für Lubminer Gaskraftwerk

Der jahrelange Streit um den Bau eines Steinkohlekraftwerks am Greifswalder Bodden ist endgültig beigelegt. Die Energiewerke Nord wollen die Projektplanung des Gaskraftwerks übernehmen, bauen werden sie das Kraftwerk aber nicht. Wer für Bau und Betrieb verantwortlich sein wird, ist derzeit noch unklar.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Lubmin (ddp/red) - Nach der Aufgabe des Projekts durch den dänischen Investor Dong Energy im Dezember vergangenen Jahres kündigte am Montag die Energiewerke Nord GmbH (EWN) Pläne zum Bau eines Gas- und Dampfkraftwerks (GuD) an.

Die mit dem Abbau der ehemaligen Kernkraftwerke Lubmin und Rheinsberg beauftragte EWN steige in die Planungen zum Bau eines neuen GuD in Lubmin ein, bestätigte EWN-Sprecherim Marlies Philipp. Nach Angaben des Umweltministeriums teilte das Unternehmen kurz vor dem Auslaufen der Genehmigungsfristen dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Vorpommern die rechtsverbindliche Projektübernahme mit. Mit dem Projekt sei das umstrittene Vorhaben für ein neues Steinkohlekraftwerk am Greifswalder Bodden endgültig vom Tisch, sagte Umweltminister Till Backhaus (SPD).

EWN beabsichtige jedoch weder den Bau noch den Betrieb des Gaskraftwerks, stellte Philipp klar. "Wir sind lediglich als Vorhabenträger in das Genehmigungsverfahren eingestiegen und suchen nach einem potenziellen Investor", fügte sie hinzu. Dazu liefen derzeit Gespräche mit mehreren Interessenten.

Nach EWN-Angaben soll das Kraftwerk eine ähnliche Größenordnung erreichen wie zwei weitere in Lubmin geplante GuD-Projekte. Demnach will der Energiekonzern E.ON am Bodden für bis zu eine Milliarde Euro ein 1200-Megawatt-Kraftwerk errichten. Die Baugenehmigung liegt bereits vor. Die Bauentscheidung für die drei Blöcke soll nach E.ON-Angaben noch 2010 fallen. Zudem hatte das Unternehmen EnBW ein 1350-Megawatt-Kraftwerk angekündigt. Mit dem von EWN betreuten Projekt könnten nach Fertigstellung der in Bau befindlichen deutsch-russischen Ostseepipeline künftig drei moderne Gaskraftwerke mit zusammen etwa 150 Arbeitsplätzen in Lubmin ans Netz gehen, sagte die EWN-Sprecherin.

Der Umweltverband BUND begrüßte die Entscheidung grundsätzlich, warnte jedoch erneut vor einer möglichen Erwärmung des Boddens durch Kraftwerkskühlwasser. Der BUND werde sich an einem erneuten Genehmigungsverfahren beteiligen, sagte BUND-Sprecher Arndt Müller. Es müsse geklärt werden, ob die Abwässer von drei Kraftwerken das Küstengewässer und die darin lebende Tier- und Pflanzenwelt gefährdeten.

Die CDU bezeichnete die Entscheidung der staatseigenen EWN als eine gute Botschaft für die Region. Das Vorhaben sollte nun zügig vorangetrieben werden, forderte der Landtagsabgeordnete Harry Glawe (CDU) in Schwerin. Nachdem die Landespolitik mit umfangreichen Fördermitteln den Industriestandort Lubmin attraktiv gemacht habe, müssten Alternativplanungen zu einem Steinkohlekraftwerk unterstützt werden.

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