EWH erwirkt einstweilige Verfügung gegen KEVAG - Ex-Monopolist muss Strom durchleiten

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com
Per einstweiliger Verfügung hat das Elektrizitätswerk Hammermühle (EWH) die Stromdurchleitung zu einem industriellen Neukunden gegen die Koblenzer Elektrizitätswerk- und Verkehrs-Aktiengesellschaft (KEVAG) erstritten. Das Kartellgericht am Landgericht Mainz folgte heute der Antragstellung des EWH und setzte mit der Entscheidung ein eindeutiges Zeichen im Rechtsstreit der beiden Unternehmen. Unter Androhung eines Ordnungsgeldes von bis zu 500.000 Mark und ersatzweise Haft für ein Vorstandsmitglied der KEVAG ist dem Westerwälder Ex-Strommonopolisten KEVAG die Verweigerung der Stromdurchleitung untersagt worden.



Der Streit zwischen beiden Energieunternehmen währt bereits über ein Jahr: Das Elektrizitätswerk Hammermühle als selbständiger Stromversorger im Westerwald hatte als eines der ersten Unternehmen bereits Ende 1998 von der Liberalisierung des Strommarktes Gebrauch gemacht und sich vom Regionalversorger KEVAG getrennt. Neuer Partner des EWH ist die Fortum Energie GmbH, die deutsche Tochter des größten finnischen Energiekonzerns. Auf der Basis neuer Lieferverträge kann das Elektritzitätswerk Hammermühle seither günstigere Strompreise als zuvor anbieten - auch für industrielle Abnehmer außerhalb der bisherigen Versorgungsgrenzen.



Allerdings habe der Ex-Monoplist, teilte das EWH heute mit, die Expansionsbemühungen des vergleichsweise kleinen Wettbewerbers "auf vielfältigste Art zu verhindern" gewusst. "Immer dann, wenn wir unseren potenziellen Kunden ein attraktives Angebot unterbreitet hatten, zog der Regionalversorger nach“, zieht Paul W. Schneider, Geschäftsführer der Elektrizitätswerke Hammermühle diesbezüglich ein Beispiel heran. Seine Hochrechnung: "Wir haben insgesamt über 450 Millionen Kilowattstunden angeboten und schätzen, dass nach unserer Vorlage die regionalen Unternehmen nun drei bis 4,5 Millionen Mark an Stromkosten bei der KEVAG eingespart haben".



Die KEVAG habe die Expansionsbemühungen der Elektrizitätswerke Hammermühle nicht nur durch - "immerhin kundenfreundliches" - Unterbieten verhindert, sondern für einen EWH-Neukunden kurzerhand die Durchleitung mit Hinweis auf bestehende Altverträge verhindert.



Mit Hilfe der Rechtsanwaltssozietät Becker-Büttner-Held (Berlin) erstritt sich das Elektrizitätswerk Hammermühle nun die einstweilige Verfügung gegen die Willkür des Regionalversorgers. Rechtsanwalt Dr. Christian Theobald wertet das Urteil als maßgeblich für die Region: "Damit ist die Blockade der KEVAG gebrochen und der Weg frei, um im gesamten Westerwald den Lieferanten zu wechseln und preiswert Strom zu beziehen".

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