Keine betriebsbedingten Kündigungen

EVO: Grundlegend neue Organisation binnen weniger Monate

Matthias Brückmann, seit einem Jahr Vorstandsvorsitzender der Energieversorgung Offenbach AG, zieht Zwischenbilanz - und kommt zu dem Ergebnis, dass man "viele Räder ins Rollen" gebracht hat. Der Energieexperte bereinigte die EVO-Produktpalette und legte den Fokus auf Strom, Erdgas, Wasser, Fernwärme und Müllverbrennung.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Offenbach (red) - Kaum beachtet von der Öffentlichkeit hat sich die Energieversorgung Offenbach AG (EVO) in den vergangenen Monaten eine vollständig veränderte Organisation gegeben. Zudem hat der Regionalversorger, der rund 170.000 Kunden zählt, seine Strategie überdacht und Wachstumsfelder neu definiert. Die Neuausrichtung ist mit dem Namen des 42 Jahre alten Matthias Brückmann verbunden, der die EVO seit einem Jahr als Vorstandsvorsitzender führt. Brückmann hat mit seinen Kurskorrekturen schlankere Arbeitsabläufe geschaffen, die Kosten gesenkt und die Profitabilität erhöht.

Die ehemalige Führungskraft der Konzernmutter MVV Energie AG aus Mannheim zog jetzt in einer Mitteilung eine Bilanz seiner Arbeit in Offenbach. Darin machte Brückmann deutlich, dass unter seiner Regie alle Produkte auf den Prüfstand gestellt sowie sämtliche Leistungen und Beteiligungen unter die Lupe genommen wurden. "Wir wollten eine klar organisierte EVO. Schnellschüsse waren bei der Neuorganisation nicht gefragt", urteilte der Manager. "Wir haben vielmehr sehr sorgfältig überlegt, welche Chancen uns der Markt bietet und auf welchen Feldern wir auf lange Sicht erfolgreich sein können."

Bei der EVO - mit rund 920 Beschäftigten eine der größten Firmengruppen in der Stadt Offenbach – sind seit Brückmanns Amtsantritt viele Räder ins Rollen gekommen. Der ausgewiesene Energieexperte bereinigte die EVO-Produktpalette und legte den Fokus auf das profitable Kerngeschäft rund um Strom, Erdgas, Wasser, Fernwärme und die Müllverbrennung. Der Manager trennte sich dagegen vom Facility Management und stellte die Schwimmbad-Betriebsführung ein. Außerdem veräußerte die EVO ihre Minderheitsbeteiligung an der KMW Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG zum Preis von rund 30 Millionen Euro.

In die Überlegungen zur Neuorganisation eingeflossen seien die neuen staatlichen Herausforderungen an die Energiebranche: Die Regulierungsbehörde finde darin ebenso ihren Niederschlag wie das Unbundling. Bei der Umsetzung des Unbundling sei die EVO in der Energiebranche mit an der Spitze gewesen. Und, last but not least: Trotz der Liberalisierung des Strommarkts und der allgemein anhaltenden Wirtschaftsflaute sei es dem Unternehmen gelungen, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten.

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