Statistik

EU-Vergleich: Strom ist in Deutschland teuer

In Deutschland ist der Strom im Schnitt über zehn Cent teurer als in anderen EU-Ländern. Ein Grund sind die hohen staatlichen Abgaben, die hierzulande entrichtet werden müssen. Ein Drittel der Verbraucher hält aber auch seinem Grundversorger die Treue und zahlt genau deshalb Hunderte Euro im Jahr drauf.

Strompreiserhöhung© Christian Jung / Fotolia.com

Berlin (red) – Hierzulande müssen Stromkunden so tief in die Tasche greifen wie sonst kaum in Europa. Während in der EU eine Kilowattstunde durchschnittlich 17,9 Cent kostet, zahlen Verbraucher in Deutschland 29,5 Cent. Für einen deutschen Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 4.000 Kilowattstunden sind das Mehrkosten von 464 Euro. Nur in Dänemark ist Strom mit 30,7 Cent pro Kilowattstunde noch teurer. Das zeigt eine Auswertung des Vergleichsportals TopTarif auf Basis von Preisdaten der europäischen Statistikbehörde Eurostat.

Staatliche Abgaben sind in Deutschland besonders hoch

Die großen Preisdifferenzen innerhalb Europas sind auch auf die unterschiedliche Besteuerung von Strom zurückzuführen: "Umlagen, Abgaben und Steuern machen in Deutschland etwa 50 Prozent des Strompreises aus. Mit 15 Cent pro Kilowattstunde zahlen wir dafür dreimal so viel wie der EU-Durchschnitt", erklärt Klaus Hufnagel, Geschäftsführer des Vergleichsportals TopTarif.

Strompreis steigen wieder für viele Verbraucher

Insgesamt sind in diesem Jahr vier staatliche Umlagen gestiegen, darunter die Ökostromumlage sowie vielerorts die Kosten der Stromnetze. In der Folge kalkulieren im ersten Quartal 2016 knapp 200 Stromanbieter mit höheren Strompreisen – durchschnittlich um rund drei Prozent. "Energieversorger stehen in diesem Jahr vor höheren Kosten. Diese werden teilweise auf den Verbraucher umgelegt. Gerade vor dem Hintergrund der Energiewende werden wir daher auch in den kommenden Jahren europaweit die höchsten Strompreise zahlen müssen", prognostiziert Klaus Hufnagel.

Grundversorgungstarife sind in der Regel am teuersten

Erfreulich aus Sicht der deutschen Verbraucher ist die wachsende Zahl an Stromanbietern und das große Sparpotenzial für Kunden, die noch nie ihren Anbieter gewechselt haben. Verbraucher können heute durchschnittlich aus mehr als 170 Versorgern in ihrem Postleitzahlbereich wählen und sich für einen passenden Anbieter entscheiden. Trotzdem bleiben viele ihrem Grundversorger treu. Jeder Dritte hat sogar noch nie seinen Anbieter gewechselt: "Wer noch immer Strom im Grundversorgungstarif bezieht, zahlt durchschnittlich 467 Euro im Jahr drauf. Mit Blick auf den europäischen Strompreis ist das die Summe, mit der ein deutscher Haushalt im Vergleich zu Rest-Europa mehr belastet wird", erklärt Klaus Hufnagel.

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