Europäischer Vergleich

EU-Generaldirektion bilanziert Entwicklung der Strompreise

Die Generaldirektion für Energie und Transport in der EU-Kommission hat in ihrem aktuellen Quartalsbericht die Entwicklung der Strompreise in Europa untersucht. Bilanz: Die Spotpreise sind europaweit in den letzten sechs Monaten gefallen, werden aber ab 2005 wieder steigen. Bei Endkunden gibt es noch immer große Unterschiede.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Brüssel (red) - Bereits Ende letzter Woche legte die Generaldirektion für Energie und Transport in der Europäischen Kommission ihren aktuellen Quartalsbericht zur Entwicklung der Strompreise in Europa vor. Fazit: Obwohl die Spotmarktpreise in den vergangenen sechs Monaten europaweit (Ausnahme: Italien) gefallen seien, sei langfristig für nächstes Jahr mit steigenden Preisen zu rechnen. Und obwohl sich die Großhandelspreise europaweit weitgehend harmonisierten, blieben für Endkunden große Preisunterschiede bestehen.

Wie die Generaldirektion berichtet, hätten sich die Spotmarktpreise zwischen 27 und 32 Euro pro Megawatt eingependelt. Während in den Niederlanden die Preise am meisten gefallen sind, verzeichne die erst kürzlich gegründete italienische Strompreise derzeit noch Preise zwischen 50 und 60 Euro pro Megawattstunde. Aber auch hier wird nach einem gewissen Prozess eine Anpassung erwartet. Dafür rechnen Experten, auf die sich auch die Generaldirektion in ihrem Bericht bezieht, für die ersten beiden Quartale 2005 mit auf 35 Euro pro Megawattstunde in Deutschland und Frankreich und auf 40 Euro pro Megawattstunde in den Niederlanden steigenden Preisen. Höhere Preise wird es wohl in Großbritannien (50 Euro pro Megawattstunde), niedrigere Preise in Skandinavien und Spanien (30 Euro pro Megawattstunde) geben.

Auch im Bereich der Großhandelspreise berichtet die Generaldirektion von einer europaweiten Anpassung. Dennoch müssten die Endkunden große Preisunterschiede akzeptieren: Während Großkunden in Skandinavien und Großbritannien etwa 40 Euro für eine Megawattstunde Strom zahlten, kostet diese in den anderen Teilen Westeuropas 50 Euro und in Italien sogar 70 Euro. Auch Kunden mit kleineren Verbräuchen werden europaweit unterschiedlich zur Kasse gebeten: Hier kostet die Megawattstunde in Großbritannien und Skandinavien 80 Euro, überall sonst 100 Euro.

Neben aktuellen Preisvergleichen fasst der Bericht auch die Charakteristiken der verschiedenen Märkte in Europa zusammen. Im Bereich Frankreich, Deutschland, Österreich und Benelux ("West Continental Market") gebe es aktuell noch signifikante Überkapazitäten, die jedoch in Deutschland ab sofort, in Belgien ab 2006 und in den Niederlanden und Frankreich ab 2010 abgebaut werden sollen. Mit 36 Prozent ist die französische EdF der derzeit größte Akteur im West Continantal Market, gefolgt von E.ON (16 Prozent), RWE (12 Prozent) und der belgischen Electrabel (9 Prozent). Diese Konzentration führe laut Generaldirektion z.T. zu Oligopol-Strukturen und verhindere Wettbewerb.

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