Plus 19 Reaktoren

EU-Erweiterung bringt mehr Kernenergie

In drei Tagen wird der europäische Staatenbund um zehn Länder erweitert. Grund genug, die Energieversorgung in diesen Ländern näher zu beleuchten. Kernenergie bleibt - insbesondere nach dem Ausstieg Deutschlands - ein wichtiges Thema. Es kommen 19 Reaktoren in fünf osteuropäischen Ländern hinzu.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (red) - Fünf der zehn Staaten, die am 1. Mai der Europäischen Union (EU) beitreten, nutzen die Kernenergie. Darauf hat jetzt das Deutsche Atomforum e. V. (DAtF) hingewiesen. In Litauen, der Slowakischen Republik, Slowenien, der Tschechischen Republik und Ungarn werden gegenwärtig insgesamt 19 Reaktoren überwiegend russischer Bauart betrieben.

Die Europäische Kommission hat im Zuge der Beitrittsverhandlungen einen längerfristigen Betrieb bestimmter Anlagen abgelehnt. So sollen in Litauen auf Drängen der EU beide Blöcke des einzigen Kernkraftwerks Ignalina 2005 bzw. 2009 abgeschaltet werden. Der Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung liegt in Litauen laut DAtF derzeit bei knapp 81 Prozent. Daher wird im Parlament darüber diskutiert, ob nicht in neuen Gesprächen mit der EU eine Verlängerung der Laufzeiten durchgesetzt werden kann. Darüber hinaus ist als Ersatz ein neues Kernkraftwerk geplant.

Auch in der Slowakischen Republik sollen auf Drängen der EU zwei Reaktoren 2006 bzw. 2008 abgeschaltet werden. Die Slowakische Republik verfügt allerdings noch über vier weitere Reaktoren und zwei Blöcke befinden sich im Bau. Slowenien bezieht 39 Prozent seines Stroms aus dem Kernkraftwerk Krsko. Das Kraftwerk wird gemeinsam mit dem Nachbarland Kroatien genutzt.

Die Tschechische Republik verfügt über insgesamt sechs Reaktoren. Das Kernkraftwerk Temelin ist erst vor kurzer Zeit mit beiden Blöcken in Betrieb gegangen. Mit dem Bau der beiden Druckwasserreaktoren russischen Typs wurde bereits vor dem Fall des "Eisernen Vorhangs" begonnen. Im weiteren Verlauf erfolgten jedoch zahlreiche Verbesserungen im sicherheitstechnischen Bereich - vor allem durch westliche Firmen. Ungarn deckt etwa 33 Prozent seines Strombedarfs durch Kernenergie. Das Kernkraftwerk Paks verfügt über vier Blöcke und ist ebenfalls umfangreich technisch ertüchtigt worden.

Mit dem Beitritt der neuen Staaten erhöht sich die Zahl der Kernenergie betreibenden Länder in der EU von bisher acht auf 13. In der EU-15 betrug der Anteil der Kernenergie an der Gesamtstromerzeugung im Jahr 2003 rund 35 Prozent.

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