Blick in die Zukunft

Esso Energieprognose: Energieverbrauch sinkt langfristig

Der Ölkonzern Esso hat eine Energieprognose bis 2020 vorgelegt. Für die nächsten fünf Jahre wird eine Stagnation des Verbrauchs vorhergesagt, danach ein zunächst geringfügiger Rückgang um 0,5 Prozent. Die vor allem langfristig wirksamen Verbesserungen der Energieeffizienz wird dann dazu führen, dass der Energiebedarf nach 2010 deutlich absinkt.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Die Esso Energieprognose sieht einen Rückgang des Primärenergieverbrauchs in Deutschland bis zum Jahr 2020 um sieben Prozent voraus. Der Verbrauch wird auf 458 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten sinken. Für die nächsten fünf Jahre wird eine Stagnation des Verbrauchs vorhergesagt, danach ein zunächst geringfügiger Rückgang um 0,5 Prozent. Die vor allem langfristig wirksamen Verbesserungen der Energieeffizienz wird laut Esso dann dazu führen, dass der Energiebedarf nach 2010 deutlich absinkt.

Dabei unterstellt die Prognose ein durchschnittliches jährliches Wirtschaftswachstum von unter zwei Prozent. Die Bevölkerung in Deutschland wird bis zum Ende des Prognosezeitraums um knapp ein Prozent zurückgehen. Esso geht dabei von einem durchschnittlichen Rohölpreis aus, der deutlich unter dem Niveau des Jahres 2003 liegt. Trotzdem werden die Verbraucherpreise weiter steigen, weil die Studie weiter steigende Verbrauchsteuern unterstellt. Schließlich wird langfristig eine Angleichung umwelt- und steuerpolitischer Maßnahmen innerhalb der EU angenommen.

Struktur der Energieträger

Wesentlichen Einfluss auf die Energieträgerstruktur in Deutschland bis 2020 hätte der vereinbarte Ausstieg aus der Kernenergie. Auch im Jahr 2020 bleibt laut Studie das Mineralöl mit 34 Prozent der wichtigste Energieträger. Erdgas folge dicht auf mit 32 Prozent, während der Kohleanteil zurückgehe. Der Anteil der erneuerbaren Energien am Energiemix verdoppele sich wegen der starken Subventionierung. Trotz dieses hohen Wachstums würden die erneuerbaren Energien nur einen Anteil etwa sieben Prozent am Gesamtenergieaufkommen im Jahr 2020 decken. Dass dieser Wert trotz unterstellter massiver Hilfe aus Steuermitteln nicht höher ist, liegt an der mengenmäßigen physischen Begrenzung des Potenzials. Selbst bei sehr optimistischen Wachstumsraten wird der Beitrag dieser Energien insgesamt nur 34 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten im Jahr 2020 betragen. Die Zuwächse werden vor allem bei Windenergie zur Stromerzeugung, bei Biomasse und Müll sowie der Solarenergie erwartet, erläutert die Studie.

Sieben Prozent Erneuerbare vergleichsweise gut

Mit den sieben Prozent Anteil erneuerbarer Energien am Primärenergiebedarf liegt Deutschland laut Studie weit über dem Wert, der weltweit für diese Energieträger erwartet wird. Bei weiter anhaltendem Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum wird bis zum Jahr 2020 der Energieverbrauch um 40 Prozent auf 14,3 Milliarden Tonnen Öläquivalent zunehmen. Über 80 Prozent des Energiebedarfs würden bis dahin nach wie vor von den fossilen Energieträgern getragen werden. Sämtliche sonstigen Energieträger würden auch dann mit fast 2,5 Milliarden Tonnen Öläquivalent nur 17 Prozent des gesamten Weltenergiebedarfs decken. Wind- und Solarenergie, die unter diesen erneuerbaren Energieträgern eine hohe Wachstumsrate hätten, können nicht mehr als ein halbes Prozent der weltweiten Energienachfrage in 2020 abdecken.


Forschungsprojekt zur Emissionsreduzierung gegründet

Daraus folge, dass die erneuerbaren Energien nicht die Grundlage der zukünftigen Energieversorgung sein können. Darum könnten sie auch nicht die Antwort auf die Forderung nach deutlichen Senkungen der weltweiten Kohlendioxid-Emissionen sein. Deswegen hat die Esso Muttergesellschaft ExxonMobil mit anderen Gesellschaften (General Electric, Schlumberger) zur Gründung eines langfristigen Forschungsprojektes beigetragen. Es soll unter der Führung der renommierten Stanford Universität wirtschaftlich lebensfähige Energietechnologien bei gleichzeitiger deutlicher Reduzierung von Treibhausgasen entwickeln. Dieses "Global Climate und Energy Project GCEP", wird von ExxonMobil mit 100 Millionen Dollar unterstützt.

Ölverbrauch sinkt

In Deutschland werden die Energieeffizienzbemühungen zu einem Rückgang des Ölverbrauchs auf 107 Millionen Tonnen im Jahr 2020 führen, berichtet die Studie weiter. Dabei wird der Kraftstoffverbrauch im Straßenverkehr in den nächsten Jahren leicht und nach 2010 deutlich abnehmen. Entsprechend der veränderten Flottenstruktur der PKW und der weiter zunehmenden Bedeutung des Güterverkehrs sinke der Verbrauch von Benzin wesentlich stärker als der von Diesel. Mit nur noch 17 Millionen Tonnen im Jahr 2020 werde der Benzinverbrauch 40 Prozent geringer sein als im Jahr 2000. Dieselkraftstoff hingegen sinke im gleichen Zeitraum nur von 28,9 auf 28 Millionen Tonnen.

Die alternativen Antriebsarten wie Brennstoffzelle, Erdgas, Flüssiggas, Strom bzw. Hybridmotoren werden auch dann lediglich eine Nische im Kraftstoffmarkt besetzen können. Etwa fünf Prozent des Kraftstoffbedarfs im Straßenverkehr werden durch diese Antriebsarten nachgefragt werden. Die Energieeffizienzverbesserung im Raumheizungsbereich trage dazu bei, dass das leichte Heizöl von 28,5 Millionen Tonnen im Jahr 2002 auf 21 Millionen Tonnen im Jahr 2020 zurückgehen wird. Hierbei spielt auch die Substitution durch Erdgas im Hauswärmebereich eine Rolle, sieht Esso voraus.

Erdgas wächst

Die Bedeutung dieses Energieträgers wird langfristig trotz sinkender Energienachfrage zunehmen. Ein kontinuierlicher Anstieg um 40 Prozent auf 146 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten im Jahr 2020 sei auf die erheblichen Wachstumspotenziale im Kraftwerkssektor zurückzuführen. Naturgas stoße in die Lücke, die der Ausstieg aus der Kernenergie hinterlassen wird, unterstützt durch die staatlich geförderte Kraft-Wärme-Kopplung. Stein- und Braunkohle werden auch in Zukunft im deutschen Energiemarkt eine Rolle spielen, wenn auch eine geringere als in der Vergangenheit. Reviernah eingesetzte Braunkohle wird zur Stromerzeugung beitragen, bei der eingesetzten Steinkohle wird es sich im Jahr 2020 zu 80 Prozent um Importkohle handeln. Bei der Kernenergie ist der Energiekonsensvertrag in der Weise berücksichtigt worden, dass für das Jahr 2020 von vier bis fünf Kraftwerken mit einer Kapazität von etwa fünf Gigawatt ausgegangen wird.

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