Jahrestagung

Essent: Wettbewerbsdruck auf die Stadtwerke nimmt weiter zu

Von eklatanten Differenzen in Rentabilität und Wachstum bei den deutschen Stadtwerken sprach Michael Feist, Sprecher der Geschäftsführung der Deutsche Essent GmbH, heute in seinem Vortrag auf der Handelsblatt-Jahrestagung in Berlin. Den Sieg im Wettbewerb um die Endkunden bezeichnete er indes als "trügerisch".

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Das deutsche Stadtwerk als der kommunale Energieversorger kommt im Zuge der Liberalisierung der Energiemärkte immer mehr unter Wettbewerbsdruck. Bereits heute zeigen sich zwischen den einzelnen Versorgungsunternehmen eklatante Differenzen in Rentabilität und Wachstum. Darauf machte Michael Feist, Sprecher der Geschäftsführung der Deutsche Essent GmbH, heute in seinem Vortrag "Neue Anforderungen in den Energieversorgungsmärkten – Chancen für die Player" vor dem Handelsblatt-Forum "Energiewirtschaft" aufmerksam. Feist verwies auch auf die provokante These von Prof. Dr. Dieter Schmitt von der Universität Essen, der prognostiziert hatte, dass von den derzeit etwa 900 Stadtwerken in Deutschland in wenigen Jahren nur noch wenig mehr als 100 ihre bisherige autonome Geschäftstätigkeit fortzusetzen werden.

Die Auswirkung des veränderten Wettbewerbs zeigten sich bereits an der unterschiedlichen Rentabilitätsentwicklung der Stadtwerksbetriebe seit 1997. Die Rentabilität der führenden zehn Stadtwerke bezogen auf Eigenkapital und Umsatz sei erheblich gestiegen, während sie sich bei den zehn schlechtesten deutlich verringert habe. Der Abstand zwischen den besten und den Nachzüglern werde zudem stetig größer.

Den Sieg im Wettbewerb um die Endkunden bezeichnete Fest gleichzeitig als "trügerisch". Zwar sei die Wechselbereitschaft der Haushalte trotz der intensiven Werbekampagnen einzelner, auch neuer Wettbewerber bisher äußerst gering. Doch auch dies könnte sich künftig ändern. So zeigten Umfragen, dass die Wechselbereitschaft der Kunden bei Preisunterschieden von zehn Prozent erheblich zunehme. Ein weiteres Indiz für die Bereitschaft zu wechseln sei, dass innerhalb der Stadtwerke bereits nahezu 30 Prozent der Kunden zu neuen, attraktiveren Tarifsystemen gewechselt seien.

Feist betonte, dass in der Phase des Umbruchs die Kooperation mit einem strategischen Partner eine wesentliche Maßnahme zur Verbesserung der Marktposition ist. Dabei müsse man zwischen einer dezentralen und einer sehr zentralen Lösung unterscheiden. Die großen Energieerzeuger böten den Stadtwerken, die von ihren Kommunen privatisiert werden sollen, die Einbindung in große Konzernverbünde an. Die Alternative sei ein dezentrales Konzept, das von Partnern wie der Essent angeboten werde, die keine Position eines Vorlieferanten von Stromenergie einnehmen, sondern Interesse an der originären Steigerung der Leistungsfähigkeit der Unternehmen durch eine Zusammenarbeit haben. Dezentrale Strukturen mit ihrer Fähigkeit zur regionalen Marktansprache werden laut Feist wesentlich dazu beitragen, im Wettbewerb um die Endkunden die Nase vorn zu haben, eine Erfahrung, die die Essent in den Niederlanden selbst täglich macht. Denn das Unternehmen ist aus dem Zusammenschluss von 38 kommunalen und regionalen Versorgungsbetrieben hervor gegangen.

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