Bündelung

Erstes Ökostrom-Hybridkraftwerk startet in der Uckermark

Das weltweit erste treibhausgasfreie Hybridkraftwerk hat am Dienstag in der Nähe von Prenzlau den Betrieb aufgenommen. Es soll auch in windarmen Zeiten Strom aus erneuerbaren Energien liefern und so deren Wirtschaftlichkeit steigern. So soll Ökostrom aus einer Hand angeboten werden.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Prenzlau (afp/red) - Das Hybridkraftwerk in Brandenburg kann aus gerade nicht benötigtem Windstrom Wasserstoff herstellen. Das sogenannte Windgas soll bei der Rückverstromung im Kraftwerk die Lieferschwankungen erneuerbarer Energien wie Photovoltaik und Windenergie ausgleichen. So will die Branche die durch den Atomausstieg entstehende Lieferlücke schrittweise mit erneuerbaren Energien schließen. Es gehe darum, Strom, Wärme und Wasserstoff-Mobilität aus erneuerbaren Energien wirtschaftlicher aus einer Hand anzubieten, sagte Werner Diwald, Vorstand des Windstromanbieters Enertrag. Mit Wasserstoff lassen sich auch Autos betreiben, ohne dass schädliches Treibhausgas entsteht.

Bündeln verschiedener Ökostrom-Techniken

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) betonte bei der Eröffnung, erst wenn Wind- und Solarstrom als Gas gespeichert werden könnten, könnte Ökostrom auch Marktanteile der bisherigen Grundversorgung durch Atom- und Kohlestrom übernehmen. In den vergangenen Jahren hatte Kernenergie nach Branchenangaben einen Marktanteil von rund 23 Prozent. Bis 2050 sollen regenerative Energien nicht nur die Kernkraftwerke, sondern auch einen Teil der Kohlestromerzeugung ablösen. Rund 80 Prozent des deutschen Stromverbrauchs sollen bis zur Jahrhundertmitte aus erneuerbaren Energien gedeckt werden.

Es gehe darum, erneuerbare Energien über die Speicherung als Wasserstoffgas nachhaltig rund um die Uhr nutzbar zu machen, sagte Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands Windenergie. Die Stromerzeugung der weiter wachsenden Branche könne wegen Netzengpässen im deutschen Stromnetz bei voller Leistung nicht mehr vollständig aufgenommen werden. Die Umwandlung in Wasserstoff sei eine gute Möglichkeit, diesen Ökostrom anderweitig doch noch zu nutzen.

Noch keine wettbewerbsfähigen Preise

Nach Angaben von Albers arbeitet die auf Technologieerforschung ausgerichtete Pilotanlage noch nicht wirtschaftlich. Die Bundesregierung müsse die Wasserstofferzeugung fördern, damit sie alltagsfähig werde, forderte Albers. Erst dann könnten Hybridkraftwerke Energie zu wettbewerbsfähigen Preisen liefern. Im Moment lägen die Strom- und Wasserstoffkosten der Pilotanlage noch über den Marktpreisen.

Der Automobilclub ADAC zeigt sich skeptisch gegenüber einer raschen Markteinführung von regenerativem Wasserstoff als Benzin- und Dieselersatz. Bislang gebe es nur Forschungskonzepte, sagte ein ADAC-Sprecher. An Berliner Tankstellen wird regenerativ erzeugter Wasserstoff aus der Uckermark für Wasserstofffahrzeuge wie etwa Brennstoffzellen-Versuchsautos verkauft. Diese Autos stoßen anders als Benzin- oder Dieselbetriebene Wagen kein Treibhausgas, sondern nur noch Wasser aus.

Das 21 Millionen Euro teure Hybridkraftwerk ist ein Gemeinschaftsprojekt von Enertrag, dem Mineralölkonzern Total, dem Stromkonzern Vattenfall sowie der Deutschen Bahn. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte 2009 den Grundstein für das Pilotkraftwerk gelegt, das sechs Megawatt Energie liefern soll.

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