Baubeginn

Erstes deutsches Ostsee-Windkraftwerk wird ans Netz angebunden

Das erste kommerzielle Ostseewindkraftwerk Deutschlands nimmt Gestalt an. Am Freitag begannen in Warnemünde die Bauarbeiten für die Netzanbindung des Windparks Baltic I, der im Herbst 2010 vor dem Darß die Produktion aufnehmen soll.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Rostock-Warnemünde (ddp-nrd/red) - Die 21 Windenergieanlagen werden ab Mai 2010 errichtet, mit einer Gesamtleistung von 50 Megawatt könnten sie künftig eine Kleinstadt mit Strom versorgen, wie Werner Götz vom Bauherren EnBW Erneuerbare Energien GmbH am Freitag in Warnemünde sagte. Geplant sind den Angaben zufolge mindestens ein Dutzend weitere Windparks in der Ostsee mit einer Gesamtleistung von 3500 Megawatt.

75 Kilometer Stromkabel

Zur Netzanbindung des Windparks Baltic I müssen 75 Kilometer Kabel verlegt werden, darunter 61 Kilometer auf See. In unmittelbarer Nähe zu den Windanlagen wird in der Ostsee ein Umspannwerk errichtet. Das Kabel mit einem Durchmesser von 25 Zentimetern wird etwa eineinhalb Meter tief im Meeresboden versenkt, auf der Strecke ist die Ostsee bis zu 18 Meter tief. Die Verlegung der Leitung übernimmt die Vattenfall Europe Baltic Offshore Grid (VEBOG), die alle Ostseeparks in der Ostsee mit Baubeginn bis 2015 anschließen wird. Vattenfall investiert rund 150 Millionen Euro.

Intelligente Stromnetzte nötig

Mit seinen regenerativen Energievorhaben sei Deutschland Vorreiter in der EU. Die Energiegewinnung aus dem Meer mache aber nur dann Sinn, wenn Schwankungen beispielsweise bei wenig Wind ausgeglichen werden können, sagte der EU-Koordinator. Deshalb müsse zwingend in intelligente europäische Energienetze investiert werden. Allein in Deutschland, wo immer noch große Leitungslücken zwischen Ost und West klaffen, werden die Investitionen auf rund eine Milliarde Euro geschätzt. So ist entlang der Küste eine sogenannte Windsammelleitung geplant, um den gesamten Meeresstrom dann in das europäische Netz einspeisen zu können.

Netzanbindung kostet Milliarden

Noch werden die Investitionen für die Anbindung aller geplanten Offshoreanlagen in Nord- und Ostsee auf eine zweistellige Milliardensumme geschätzt. "Diese Technologien werden aber mit der Zeit immer ausgereifter, die Kosten sinken also", sagte VEBOG-Geschäftsführer Gert Schwarzbach. Erfahrungen können derzeit auch schon in der Nordsee beim Anschluss einer eine Testanlage vor Borkum gesammelt werden. Einen Teil vom profitablen Offshore-Projekt Kuchen erhofft sich vor allem Mecklenburg-Vorpommern, das die komplette Produktionskette für Windkraftanlagen bietet.

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