Lob und Tadel

Erstes CO2-armes Pilotkraftwerk ist in Betrieb

In Brandenburg ist am Dienstag die weltweit erste Pilotanlage für CO2-arme Kohlekraftwerke in Betrieb gegangen. Kritik von Umweltschützern an der neuen Anlage wurde von Politikern als "zynisch" bezeichnet.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Spremberg (ddp/sm) - Die 30-Megawatt-Anlage des Energiekonzerns Vattenfall wurde von Kanzleramtsminister Thomas de Maizière (CDU) und Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) gemeinsam mit dem schwedischen Forschungsminister Lars Leijonborg am Kraftwerksstandort Schwarze Pumpe in Spremberg eröffnet.

"Die Pilotanlage ist ein Meilenstein auf dem Weg zu einer annähernd emissionsfreien Kohleverstromung", sagte Vattenfall-Chef Lars G. Josefsson vor Journalisten. In das Projekt habe der Energiekonzern rund 70 Millionen Euro investiert. Bei der Pilotanlage in Schwarze Pumpe werde das beim Verbrennungsprozess anfallende Kohlendioxid im Kraftwerksprozess zu mehr als 90 Prozent abgeschieden und für den Transport zur unterirdischen Speicherung gesammelt. "Unsere Vision ist eine komplett CO2-freie Kohleverstromung", sagte Josefsson.

Das Informationszentrum klimafreundliches Kohlekraftwerk e.V. begrüßte den Schritt Vattenfalls. Bis zur vollständigen Marktreife der Carbon Capture and Storage (CCS)-Technologie seien jedoch weitere Schritte notwendig. So müsse insbesondere die Erprobung der geologischen Speicherung von CO2 weiter vorangetrieben und ein geeigneter Rechtsrahmen für die zügige Genehmigung von Speicher- und Transportinfrastruktur verabschiedet werden. "Damit CCS alsbald einen größtmöglichen Beitrag für die Erreichung der ehrgeizigen Klimaziele in Deutschland und Europa leisten kann, muss die Politik zeitnah verlässliche Rahmenbedingungen schaffen", sagte Klaus von Trotha, IZ-Klima-Vorstandsvorsitzender.

Die märkische Linke hält die neue CCS-Technologie dagegen nicht für eine langfristige Lösung des weltweiten Energie- und Klimaproblems. "Nur ein mittelfristiger Ausstieg aus der Kohleverstromung ist der Garant für die dringend erforderliche Reduzierung der klimaschädlichen CO2-Emissionen", sagte der energiepolitische Sprecher der Landtagsfraktion, Wolfgang Thiel.

Die wenigen Demonstranten vor dem Betriebsgelände versuchen mit Plakaten und Gesängen auf sich aufmerksam zu machen. "Lasst Euch nicht verkohlen", steht auf einem Transparent. Vattenfall versuche mit der Pilotanlage von den Grundproblemen abzulenken. "Der Konzern bleibt der größte Umweltverschmutzer Europas", sagt Sprecher René Schuster. Die Tagebau-Gegner fordern zudem, dass keine weiteren Lausitzer Dörfer abgebaggert werden.

SPD-Generalsekretär Klaus Ness kritisiert die Proteste als "zynisch". Es sei paradox, dass Umweltschützer gegen Projekte protestierten, die zur Senkung des Kohlendioxid-Ausstoßes beitragen sollen. Wenn die Technologie funktioniere, könne sie möglicherweise auch in anderen Bereichen als nur in Kraftwerken eingesetzt werden. SPD-Landtagsfraktionschef Günter Baaske ist optimistisch, dass die CCS-Technologie funktionieren wird. Brandenburg werde dann weltweit Vorreiter für eine klimafreundliche Braunkohle-Verstromung.

Vattenfall plant nach weiterer Forschung und zusätzlichen Tests zwischen 2013 und 2015 den Bau eines Demonstrationskraftwerkes im brandenburgischen Jänschwalde. Dabei soll ein bestehender 500 Megawatt-Block umgerüstet werden.

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