Fatale Serie

Erneut Zwischenfall in französischer Atomanlage Tricastin (Upd.)

Die Serie von Zwischenfällen in der südfranzösischen Atomanlage Tricastin setzt sich fort. Nach Angaben des Stromversorgers Eléctricité de France (EDF) stellten Mitarbeiter am Montagmorgen ein "technisches Problem" fest.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Paris (AFP/sm) - Der Stromkonzern EDF musste einen dortigen Reaktor am Dienstag den zweiten Tag in Folge abgeschaltet lassen, nachdem sich zwei Brennelementebehälter verkeilt hatten. Experten suchten nach einer Lösung für das Problem, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Es schlug der französichen Atomaufsicht vor, den Vorfall auf Stufe eins der Störfallskala von null bis sieben einzuordnen. Das staatliche Institut für Strahlenschutz (IRSN) schloss nicht aus, dass Strahlung in die Umwelt gelangen könnte, allerdings nur in sehr geringen Mengen.

Mitarbeiter suchten am Dienstag weiter "nach der besten Strategie", um die Brennstäbebelälter im Reaktorbottich zu bergen, wie Eléctricité de France (EDF) auf Anfrage mitteilte. "Wir wissen nicht, wieviel Zeit das in Anspruch nehmen wird." Bei einem vergleichbaren Vorfall im Jahr 1999 hätten die Arbeiten 20 Tage gedauert. Die Atomaufsicht ASN erklärte am Montagabend, in dem Reaktor gebe es 157 Brennstoffbehälter, die jeweils 264 Brennstäbe enthielten. Beim Austausch hätten sich zwei Brennstoffbehälter verkeilt. Sie befänden sich in dem Bottich unter Wasser.

Laut dem Strahlenschutzinstitut ISRN wurden die Brennelementebehälter vor der Panne zu zwei Dritteln aus dem Reaktorkern gezogen. Jetzt bestehe theoretisch die Gefahr, dass sich die Behälter lösten und nach unten auf den Reaktorkern fielen. Dabei könne die Freisetzung von strahlendem Material in das umgebende Wasser und darüber in die Atmosphäre des Reaktorgebäudes drohen. Außerhalb der Anlage werde die Strahlung aber auch in diesem Fall voraussichtlich so gering bleiben, dass ein besonderer Schutz von Bevölkerung und Umwelt nicht nötig sei.

Es handelt sich bereits um den vierten Zwischenfall in der Atomanlage binnen zwei Monaten. Tricastin ist nach Angaben der Betreiber die größte Atomanlage der Welt und erstreckt sich über 600 Hektar. Für den staatlichen Atomkonzern Areva und den Stromversorger EDF sowie ihre Tochterfirmen und Partner arbeiten rund sechstausend Menschen in Tricastin. Zur Anlage gehört auch ein Werk für radioaktive Brennelemente.

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