Atommülllager

Erneut radioaktive Lauge in der Asse - Zustand unzumutbar

Als "unzumutbar" hat BfS-Präsident Wolfram König den Zustand im niedersächsischen Atommülllager Asse bezeichnet. Dienstagabend war bei einem Kontrollgang in dem maroden Salzbergwerk in mehr als 900 Metern Tiefe erneut radioaktiv belastete Lauge festgestellt worden.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Köln/Berlin (ddp/red) - Täglich dringe Grundwasser in das Atommülllager ein, sagte der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) sagte am Mittwoch im Deutschlandfunk. Vor diesem Hintergrund sei nicht klar, wie lange die Standsicherheit des Bergwerks noch gewährleistet sei.

Von daher müsse man sich auf Notsituationen vorbereiten. «Die eigentliche Herausforderung, vor der wir stehen, ist die sichere Schließung des Bergwerkes.» Bis dahin seien weitere Vorfälle nicht auszuschließen.

Erneut radioaktive Lauge in der Asse festgestellt

Am Dienstagabend wurde erneut radioaktive Lauge in der Asse festgestellt. Dabei handelt es sich um Lösungen, die mit Cäsium 137 sowie mit Tritium kontaminiert sind. Nach Angaben des Bundesamtes besteht aber weder Gefahr für das Betriebspersonal noch für die Umgebung der Asse, da die Werte unterhalb der Freigrenzen der Strahlenschutzverordnung lägen. "Die jetzt vorgefundenen Laugensümpfe sind keine akute Gefährdung, aber sie machen deutlich, dass wir vor Überraschungen nicht gefeit sind", sagte König.

Die Laugen stammten wahrscheinlich aus dem sogenannten Tiefenaufschluss. Sie seien ausgepresst worden, weil die Hohlräume in dem instabilen Gebirge zusammengedrückt würden. Bereits im vergangenen Jahr hatten Funde von radioaktiv kontaminierter Lauge für Unruhe gesorgt.

BUND fordert Festhalten am Atomausstieg

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) forderte angesichts der Laugenproblematik in der Asse ein Ende der Debatte um Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke. Jedes weitere AKW-Betriebsjahr verursache 450 Tonnen zusätzlichen Atommüll, teilte die Umweltorganisation mit. Bis zur geplanten Stilllegung des letzten Atomkraftwerkes im Jahr 2022 würden zusätzlich rund 5000 Tonnen anfallen.

Eine Verlängerung der Laufzeiten um zehn Jahre würde bedeuten, dass am Ende statt 10.800 Tonnen 15.300 Tonnen abgebrannter Brennelemente anfallen würden. Dies sei eine Steigerung um 50 Prozent. Schon jetzt gebe es in Deutschland 6000 Tonnen hochgefährliche Atomabfälle in Form von bestrahlten Brennelementen, von denen niemand wisse, wohin damit.

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