Steueroasen

Ermittlungen wegen "Panama Papers" haben begonnen

Die australische Steuerbehörde ATO hat in Reaktion auf die "Panama Papers" erste Ermittlungen eingeleitet. Dabei handelt es sich um ein gigantisches Datenleck, das Hinweise auf rund 215.000 Briefkastenfirmen zahlreicher Prominenter und Politiker offen legt.

SteuererklärungAn den "Panama Papers" arbeiteten ein Jahr lang rund 400 Journalisten.© m.schuckart / Fotolia.com

München - Ein Datenleck bei einem Verwalter von Briefkastenfirmen in Panama bringt nach Recherchen internationaler Medien Spitzenpolitiker und Sportstars in Erklärungsnot. Es gebe Informationen über Finanzgeschäfte mithilfe von 215.000 Briefkastenfirmen, berichteten die "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR sowie Medien aus rund 80 Staaten am Sonntagabend. Zu den Profiteuren der Offshore-Dienste zählen den Berichten zufolge zwölf frühere und amtierende Staats- und Regierungschefs und 128 weitere Politiker, aber auch internationale Finanzinstitute, darunter deutsche Banken oder ihre Töchter.

Steuerbehörde leitet Ermittlungen ein

Die australische Steuerbehörde ATO hat erste Ermittlungen eingeleitet. Man habe 800 australische Steuerzahler ermittelt, hieß es am Montag in einer Mitteilung der Behörde. Mehr als 120 von ihnen hätten zudem Verbindungen zu einem Offshore-Unternehmen in Hongkong, das jedoch nichts mit den Geschäften in Panama zu tun habe. Nach Angaben der australischen Ausgabe der Zeitung "Guardian" sind 700 Australier als Anteilseigner von Briefkastenfirmen ausgemacht worden.

Unter den 800 seien sowohl Menschen, die schon einmal überprüft worden seien als auch solche, die sich bei der Behörde gemeldet hätten, um unter einem Amnestieprogramm einer Strafe zu entgehen, hieß es weiter nach Mitteilung der Steuerbehörde. Andererseits sei auch "eine Vielzahl an Steuerzahlern dabei, die sich bislang noch nicht gemeldet hätte."

Datenleck bringt Brifkastenfirmen ans Licht

Die Recherchen zu den "Panama Papers" basieren auf einem Datenleck bei der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca. Deren Chef Ramón Fonseca Mora bestätigte im Fernsehsender TVN: "Wir wurden gehackt. Das ist ein Verbrechen." Sein Unternehmen helfe aber nicht bei Geldwäsche oder Steuerhinterziehung. Die Kanzlei gründe lediglich Firmen und verkaufe sie dann an Banken, Vermögensverwalter oder Anwälte. Eine Geschäftsbeziehung zu den Endkunden bestehe nicht.

Unterlagen haben ein Datenvolumen von 2,6 Terrabyte

Laut ARD umfassen die von rund 400 Journalisten über ein Jahr hinweg ausgewerteten Unterlagen E-Mails, Urkunden, Kontoauszüge, Passkopien und weitere Dokumente. Insgesamt gehe es um ein Datenvolumen von 2,6 Terabyte und mehr als elf Millionen Dokumente. Der Enthüller des NSA-Skandals, Edward Snowden, schrieb auf Twitter: "Das größte Leck in der Geschichte des Daten-Journalismus ist gerade veröffentlicht worden, und es geht um Korruption."

Steueroasen: Offshore-Geschäfte von 140 Politikern werden offen gelegt

Der Leiter des Rechercheverbundes von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung", Georg Mascolo, sagte am Abend in der ARD-Sendung "Anne Will", er gehe davon aus, dass die Sprengkraft des Datenlecks "ganz erheblich" sei. Er verwies darauf, dass "wir einen solchen Einblick in das Geschäft dieser Steueroasen bisher in diesem Umfang nicht gehabt haben". Zudem kündigte Mascolo weitere Veröffentlichungen an.

Die Daten legen laut NDR die Offshore-Geschäfte von insgesamt 140 Politikern und hohen Amtsträgern aus aller Welt offen. In den Unterlagen tauchten aber auch Namen von Spionen, Drogenhändlern und anderen Kriminellen auf. Zudem hätten zahlreiche Prominente und Sportstars Offshore-Firmen genutzt.

FIFA will im Voraus selbst ermitteln

Die Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes FIFA bestätigte der Deutschen Presse-Agentur interne Vorermittlungen gegen ihr eigenes Mitglied Juan Pedro Damiani aus Uruguay. "Ja, der Bericht ist richtig. Ich kann bestätigen, dass wir eine sogenannte Voruntersuchung in die Wege geleitet haben", sagte der Sprecher der ermittelnden Kammer der Ethikkommission, Roman Geiser. Weitere Details nannte er nicht.

Offshore-Firmen müssen nicht unbedingt illegal sein

Die "Tagesschau" betont auf ihrer Website, dass es viele legale Einsatzmöglichkeiten von Offshorefirmen, Trusts und Stiftungen gebe. "Politisch exponierte Personen können sowohl juristisch wie moralisch korrekt handeln, wenn sie diese nutzen." Es bestehe aber in solchen Fällen in der Regel Abklärungsbedarf. Grundsätzlich sei festzuhalten: "Es gilt in jedem Fall bei den hier genannten Personen die Unschuldsvermutung."

Die "Süddeutsche" schreibt dazu: "Der Besitz einer Offshore-Firma ist für sich nicht illegal. Es gibt auch eine Reihe von Geschäften, für die es logisch erscheint, zu einer Offshore-Firma zu greifen. Aber wer sich in den Panama Papers umsieht, stellt sehr schnell fest, dass es in der überwältigen Zahl der Fälle vor allem um eines geht: die Verschleierung der wahren Inhaber der Firmen." Die Daten belegten, wie die globale Offshore-Industrie im Verbund mit großen Banken, Anwaltskanzleien und Vermögensverwaltern in aller Verschwiegenheit die Besitztümer von Prominenten verwalte.

Quelle: DPA

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