Seismische Untersuchungen

Erdölreserven in Norddeutschland auf der Spur

Die Essener Firma DMT erkundet derzeit den geologischen Untergrund im Osten Kiels und im Landkreis Plön. Auch RWE Dea will bis Ende Februar seismische Untersuchungen abgeschlossen haben.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Preetz (ddp-nrd/sm) - Bis in die 1990er Jahre hinein war in Osten Kiels und im Landkreis Plön sowie im Kreis Ostholstein Erdöl gefördert worden. Im Jahr 2000 stellten wegen des seinerzeit niedrigen Ölpreises von zehn Dollar pro Barrel schließlich auch die beiden Bohrinseln Schwedeneck-See in der Kieler Bucht die Produktion ein. Bis dahin waren in der Region insgesamt rund 17 Millionen Tonnen gefördert worden.

Bürhungen in Deutschland wieder interessant

Seit dem rapiden Anstieg des Ölpreises werden die heimischen Lagerstätten nun erneut wirtschaftlich interessant. "Öl ist wieder ein Thema", sagt Hartmut Pick, der Sprecher des Wirtschaftsverbandes Erdöl- und Erdgasgewinnung. Gleiches gelte für Erdgas. Die Fördertechnik sei ähnlich und in beiden Fällen weiter fortgeschritten. Seismische Untersuchungen habe es in den vergangenen Jahren beispielsweise auch in Niedersachsen gegeben. Bohrungen seien dort allerdings noch nicht erfolgt. Ein Erdöl-Projekt im rheinland-pfälzischen Speyer sei dagegen bereits in der Testphase.

RWE Dea sucht nach weiteren Vorkommen

So weit ist der Energiekonzern RWE Dea im Bereich Kiel noch nicht. Dort soll bis Ende Februar die Seismik abgeschlossen sein. Im Umfeld der bereits erschlossenen Erdöllagerstätten in der Region werden noch weitere kleine Ölfelder, sogenannte Schollen, vermutet. "Wir erhoffen uns hier noch einmal 10 bis 15 Millionen Tonnen Erdöl", sagt Unternehmenssprecher Derek Mösche. Die Kosten der Ölsuche beziffert er auf einen "unteren zweistelligen Millionenbetrag".

Seit Oktober untersuchen die Spezialisten der Essener Firma DMT dazu ein 400 Quadratkilometer großes Gebiet nahe Kiel. Mit Hilfe eines Schall-Messverfahrens erzeugen sie ein dreidimensionales Bild des Untergrundes. Insgesamt rund 100.000 Geophone registrierten die von den Gesteinsschichten zurückgeworfenen Schallwellen am Erdboden. Computer erstellen daraus später hochauflösende Bilder.

Probebohrung bei Kiel nicht von 2011

Das in dem Sandstein vermutete Öl ist nach Einschätzung der Experten des Energiekonzerns leichter und damit qualitativ besser als das auf Deutschlands einziger Bohrinsel Mittelplatte geförderte Öl. Eine Probebohrung werde es im Raum Kiel aber nicht vor 2011 geben, sagt Mösche. Ab 2015 könnte dann mittels sogenannter Horizontalbohrungen die Förderung beginnen.

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