Wärmevorrat im Untergrund

Erdgasspeicher als Puffer für Versorgungssicherheit und Gashandel

Erdgas festigt immer sehr seine Position als beliebteste Heizenergie - doch ein jäher Kälteeinbruch oder Transportprobleme können die Versorger vor enorme Lieferprobleme stellen, die nicht kurzfristig zu beheben sind. Als nützlicher Puffer haben sich Erdgasspeicher erwiesen. Ein Feature von ddp.vwd-Korrespondent Heinz Simon.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Berlin/Leipzig (ddp.vwd) - Zwischen Rügen und Allgäu nutzen rund 17,2 Millionen Haushalte Erdgas zum Heizen. Tendenz: Weiter steigend. Erdgas hat heute einen Anteil von 75 Prozent bei allen zum Bau genehmigten Wohnungen und festigt damit seine Position als beliebteste Heizenergie. Wenn es draußen bitterkalt ist, schätzen die Verbraucher - trotz allen Ärgers über steigende Preise - eine sichere Wärmeversorgung besonders.

Rund 80 Prozent des Bedarfs werden durch Importe aus dem Ausland gedeckt. Wenn das Erdgas von den entlegenen Feldern Sibiriens oder von den Bohrinseln weit vor der norwegischen Küste in Berlin oder München ankommt, war es manchmal eine Woche und mehr unterwegs. Die Lieferungen erfolgen auf der Basis langfristiger Verträge und müssen dem nach Tages- und Jahreszeit schwankenden Bedarf angepasst sein. Im Winter ist die Nachfrage mitunter fünf Mal größer als im Sommer.

Ein jäher Kälteeinbruch oder Transportprobleme können die Versorger vor Lieferprobleme stellen, die auch das europaweite Netz der Versorgungsleitungen nicht ohne weiteres und schon gar nicht kurzfristig beheben kann. Als nützlicher Puffer haben sich Erdgasspeicher in den Verbraucherregionen erwiesen. Neben der Belieferung der eigenen Kunden gewinnen sie mit der Liberalisierung der Energiemärkte an Bedeutung, um das Gasgeschäft zu optimieren, aber auch um andere Versorger gegen Gebühren zu beliefern.

Auch die ostdeutsche Verbundnetz Gas AG (AG) mit einem Marktanteil von rund 16 Prozent setzt bereits seit Jahren auf Erdgasspeicher und ihre ständige Modernisierung. Das Unternehmen betreibt sechs solcher Speicher an fünf Standorten. Sie haben derzeit eine Kapazität von zusammen 2,1 Milliarden Kubikmeter. Diese Menge reicht aus, um ganz Ostdeutschland in den Sommermonaten etwa drei Monate lang mit Erdgas zu versorgen.

Während der verbrauchsarmen Jahreszeit werden die Erdgasspeicher gefüllt. Sie liegen mehrere hundert Meter bis zu einem Kilometer in der Tiefe. Genutzt werden dazu poröse Gesteinsschichten, die nach oben hin von gasdichten Schichten abgeschlossen sind. Gut geeignet sind ehemalige Gaslagerstätten oder riesige Hohlräume (Kavernen), die mit Hilfe von Süßwasser aus mächtigen Salzschichten herausgespült werden.

Allein am Standort Bernburg in Sachsen-Anhalt gibt es derzeit 30 solcher Kavernen. Ihre Kapazität reicht aus, um Berlin etwa ein halbes Jahr mit Erdgas zu versorgen. Seit 1991 investierte VNG in die Untergrundspeicher rund 400 Millionen Euro.

Die Experten des Versorgers bringen ihr Wissen auch in ein neues Projekt ein, das unmittelbar nichts mit Erdgasversorgung zu tun hat. Forscher suchen nach Möglichkeiten, das umweltbelastende Kohlendioxid (CO2) in poröse Gesteinsschichten zu pressen und nach oben gegen ein Entweichen abzuschließen.

Unter Leitung des GeoForschungsZentrums Potsdam will ein Konsortium von Industrie und wissenschaftlichen Institutionen jährlich bis zu 30 000 Tonnen CO2 in einen nicht mehr genutzten VNG-Erdgasspeicher "versenken". Das Projekt ist noch in der Vorbereitungsphase. Nach bisheriger Planung soll das erste Kohlendioxid über eine Spezialbohrung Ende 2006 im tiefen Untergrund verschwinden.

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