Nachteile

Erasmus, Handwerkerbonus und Co.: Brexit hat Folgen für Steuerzahler

Großbritannien hat beschlossen aus der EU auszutreten. Unter Umständen kann das für einige Steuerzahler in Deutschland Nachteile bedeuten. Das gilt beispielsweise dann, wenn der Nachwuchs auf der Insel ein Auslandssemester absolvieren möchte.

BrexitDer Brexit könnte Nachteile für Steuerzahler mit sich bringen. Das betrifft etwa das Ehegattensplitting und andere Steuervergünstigungen.© Melinda Nagy / Fotolia.com

Neustadt - Unterhaltszahlungen an den studierenden Sprössling in Großbritannien, das Ehegattensplitting für Briten in Deutschland oder der Handwerkerbonus für das englische Ferienhaus: Einige Steuervorteile entfallen für Arbeitnehmer und Rentner bei einem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Was galt bisher und was könnte sich mit dem Brexit ändern?

Kosten für die Ausbildung der Kinder können bisher abgesetzt werden

Unterhaltszahlungen an eine gesetzlich unterhaltsberechtigte Person - zum Beispiel an den Ex-Partner oder die pflegebedürftigen Eltern - können als außergewöhnliche Belastung von der Steuer abgesetzt werden. Dazu gehören auch Unterhaltszahlungen an das eigene Kind für die Berufsausbildung. Darauf weist der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe (VLH) hin.

Bislang gilt: Wer als Deutscher einen Sprössling hat, der in einem Staat der Europäischen Union (EU) bzw. des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) eine Berufsausbildung oder ein Studium absolviert, kann ihn bei den Kosten für Miete, Kleidung, Lebensmittel, Bücher, Lernunterlagen, Kursgebühren und vielem mehr unterstützen - und die Kosten dafür als Unterhaltszahlungen nach geltendem deutschem Steuerrecht absetzen. Eine besondere Nachweispflicht besteht nicht.

Nach dem Brexit: Notwendigkeit der Unterstützung muss belegt werden

Scheidet Großbritannien aus der EU aus, muss in solchen Fällen die Zwangsläufigkeit nachgewiesen werden - also weshalb die unterstützte Person nicht selbst für ihren Erwerb aufkommen kann, so der VLH. Dann müssten Eltern, die ihr Kind unterstützen, sich um die Aufklärung und Beschaffung geeigneter Nachweise inklusive beglaubigter Übersetzungen bemühen. Auch an den Nachweis der Zahlungen ins Ausland seien dann besondere Anforderungen gestellt, darunter ein lückenlos nachvollziehbarer Zahlungsfluss durch Post- oder Überweisungsbelege.

VKU: Ehegattensplitting ist nach Brexit nicht mehr möglich

Staatsangehörige eines Staates der EU oder des EWR, die in Deutschland leben und arbeiten, sind hier unbeschränkt steuerpflichtig bzw. können als unbeschränkt steuerpflichtig behandelt werden. Gleichzeitig profitieren sie von bestimmten ehe- und familienbezogenen Vergünstigungen.

Bislang gilt: Wer zum Beispiel als britischer Staatsangehöriger in Deutschland beruflich tätig ist, der kann auf Antrag von den Vorteilen des Ehegattensplittings profitieren oder auch Kinderbetreuungskosten absetzen.

Sollte Großbritannien den Brexit vollziehen, können dem VLH zufolge die ehe- und familienbezogenen Vergünstigungen nicht mehr in Anspruch genommen werden.

Handwerkerkosten nicht mehr absetzbar

Alle Haushalte in der EU und im EWR dürfen haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen steuerlich absetzen. Das hat der deutsche Gesetzgeber im Jahressteuergesetz 2008 mit Wirkung ab 2007 beschlossen und damit die bis dahin geltende Einschränkung auf deutsche Haushalte aufgegeben.

Bislang gilt: Wer sein Haus in Großbritannien renovieren oder die Gartenanlage seines britischen Ferienhauses von einem Gärtner in Schuss halten lässt, kann die Kosten dafür in seiner deutschen Einkommensteuererklärung angeben. Konkret sind es bis zu 20 Prozent der Rechnungen für Handwerkerleistungen bzw. maximal 1.200 Euro im Jahr, die von der Steuer abgesetzt werden können.

Bei einem Austritt Großbritanniens aus der EU entfallen diese Steuervorteile, erläutert der VLH.

Keine Veränderungen bei der Pendlerpauschale

Übrigens: Dem Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes 2011 zufolge pendeln etwa 8.000 Berufstätige zwischen Deutschland und Großbritannien. Für sie ändere sich bei einem Ausstieg Großbritanniens aus der EU in punkto Pendlerpauschale oder doppelte Haushaltsführung nichts.

Ausführliche Infos zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Top