Stellungnahme

Energiewirtschaft begrüßt beschleunigten Netzausbau

Aus Sicht der Energiewirtschaft geht die heutige Verabschiedung des Energieleitungsausbau-Gesetzes "in die richtige Richtung". Vor allem die verkürzten Genehmigungszeiten seien ein wesentlicher Punkt. Mit Skepsis begegnet die Branche allerdings der teilweise geplanten Erdverkabelung.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (red) - "Die heutige Entscheidung zum Energieleitungsausbau-Gesetz ist ein Schritt in die richtige Richtung. Verkürzte Genehmigungszeiten sind eine wichtige Voraussetzung, um die dringend notwendigen neuen Stromautobahnen realisieren zu können", sagte Hildegard Müller, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) anlässlich der heutigen Verabschiedung des Gesetzes zur Beschleunigung des Ausbaus der Höchstspannungsnetze (EnLAG) durch den Bundestag.

Zu den neuen Anforderungen an die Netze zählten vor allem der Transport von wachsenden Strommengen aus der Erzeugung von Windenergieanlagen an den Küsten Richtung Verbrauchszentren im Süden, der stetig zunehmende europäische Stromhandel über Deutschlands Grenzen hinweg sowie der Bau neuer, effizienter konventioneller Kraftwerke, so Müller. Bis zum Jahr 2020 müssten rund 40 Milliarden Euro voraussichtlich allein in das gesamte deutsche Stromnetz investiert werden. Mindestens 850 Kilometer neue Höchstspannungsleitungen müssten laut dena-Netzstudie gebaut werden. "Die bisherige durchschnittliche Genehmigungszeit von acht bis zehn Jahren ist für diese Erfordernisse einfach zu lang. Deshalb ist es gut, dass der Gesetzgeber nun handelt", meinte Müller.

Einer Verlegung von Höchstspannungsleitungen unter der Erde stehe die Branche ohne ausführliche Untersuchungen jedoch kritisch gegenüber. Eine Erdverkabelung sei in der Regel noch immer mit erheblichen technischen und betrieblichen Nachteilen verbunden. Eine Verkabelung sei um ein Vielfaches teurer als der Bau von Freileitungen. Auch unter Beachtung der Stromverlustkosten seien Kabel deutlich unwirtschaftlicher als Freileitungen. Eine entsprechende Verteuerung der Netznutzung wäre unweigerlich die Folge. Dies stehe im Widerspruch zu den Bemühungen der Bundesregierung und der Bundesnetzagentur, günstige Netzentgelte zu sichern.

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