Wandel

Energiewende fordert ihren Tribut: RWE und Eon kämpfen

Die Energiewende ist fünf Jahre nach der Atomkatastrophe voll im Gange. Auf der einen Seite sind erneuerbare Energien auf dem Vormarsch und bringen neue Jobs. Auf der anderen Seite ist mit fossilen Kraftwerken kaum noch Geld zu machen – die großen Energiekonzerne leiden.

Ende-Mit-Kernenergie© i12 GmbH

Essen (dpa/red) - Fast genau fünf Jahre nach der Katastrophe von Fukushima haben die größten deutschen Energiekonzerne RWE und Eon in dieser Woche ihre Jahreszahlen vorgelegt - mit einem klaren Ergebnis: Konventionell erzeugter Strom wird immer unrentabler. Die stärker sprudelnden Gewinne aus Wind- und Sonnenenergie sowie Netzen und intelligenten Steuerungsanlagen können das noch längst nicht auffangen. Und die Finanzierung des Atom-Rückbaus schwebt wie ein Damoklesschwert über der Branche, auch wenn sie betont, dass die Milliarden-Rückstellungen ausreichen.

Eon und RWE kämpfen mit Milliardenverlusten

Schon dreimal verbuchte etwa Eon seit Fukushima milliardenschwere Jahresverluste - vor allem wegen der Gas- und Kohlekraftwerke. Am Mittwoch musste Eon-Chef Johannes Teyssen sogar ein Rekordminus verkünden. Die Dividende sackte seit 2010/2011 um zwei Drittel ab und weitere Kürzungen stehen bevor.

Auch bei RWE gab es schon zweimal Jahresverluste. Zudem will der Konzern seine Dividende trotz wütender Aktionärsproteste inzwischen fast komplett streichen. Ein Ende der Talfahrt ist nicht in Sicht.

Bisherige Geschäftsmodelle sind überholt

Die Geschäftsmodelle der alten Energieriesen sind erodiert. Jahrzehntelang lebten sie bestens davon, das gesamte Stromgeschäft von der Erzeugung, über die Verteilnetze und den Handel bis zum Vertrieb zu kontrollieren. Das warf Milliardengewinne ab und insbesondere die Großkraftwerke waren wahre Gelddruckmaschinen. Doch nun sind sie zu Sorgenkindern geworden. Der vorrangig in die Netze eingespeiste Ökostrom verdrängt zunehmend den klassisch erzeugten Strom. Sein Anteil liegt bereits bei einem Drittel.

Das ließ die Preise einbrechen. An der Leipziger Strombörse EEX kostete zu Jahresbeginn eine Megawattstunde Strom nur noch rund 20 Euro, vor fünf Jahren waren es noch weit über 50 Euro. Viele Kraftwerke schreiben deshalb rote Zahlen und die Konzerne drohen mit massenhafter Abschaltung.

Unrentable Kraftwerke sollen als Reserve dienen

Es ist ein Hilferuf an die Politik. Denn noch für viele Jahre werden die konventionellen Kraftwerke gebraucht, um das schwankende Ökostromangebot auszugleichen und Stromausfälle zu verhindern. Für dieses Bereithalten von Kraftwerken drängen die Konzerne immer stärker auf eine Entlohnung: "Die Energiewende ist eine große Chance, aber wenn sie ein Erfolg werden soll, ist Versorgungssicherheit das A und O", sagt etwa Martin Weyand, Hauptgeschäftsführer beim Branchenverband BDEW.

"Hartz-IV für Kraftwerke: Nicht arbeiten, aber Geld verdienen", lautet dagegen der vielzitierte Ausspruch von Vize-Kanzler Sigmar Gabriel (SPD).

Konzerne passen ihre Strukturen an

Die Konzerne sind zur Wende verdammt. RWE und Eon spalten sich auf und konzentrieren sich mit dem Großteil ihrer Kraft auf die neue Energie. Die Börsengänge von Uniper (Eon) und der RWE-Zukunftsgesellschaft sollen dabei auch neues Geld und Investitionskraft bringen. Vattenfall hat sein komplettes deutsches Braunkohlegeschäft zum Verkauf gestellt und EnBW treibt den Ausbau der erneuerbaren Energien voran - ein schmerzhafter Umbauprozess.

Staatliche Abgaben sind gestiegen

Bei den Verbrauchern kommt von alledem vorerst nichts an. Sie leiden unter steigenden Ökostromumlagen und Netzentgelten wegen des nötigen Stromnetzausbaus. Auf der Stromrechnung stehen inzwischen fast 30 Cent pro Kilowattstunde für den Privathaushalt, 2011 waren es noch um die 25 Cent - ohne dass der CO2-Ausstoß in Deutschland spürbar sank. Aber nicht alle Stromanbieter haben 2016 die gestiegenen staatlichen Abgaben an ihr Kunden weitergeben, weil der Einkauf für die günstiger geworden ist. Wie viel die Kilowattstunde Strom bei den Anbietern derzeit kostet, zeigt unser Stromvergleich.

Energiewende bringt neue Jobs und kurbelt die Wirtschaft an

Andererseits sind inzwischen knapp 400.000 Arbeitsplätze bei den Erneuerbaren Energien entstanden. Die Exportquote bei Windkraftanlagen beträgt über 70 Prozent. "Der weltweite Siegeszug der Erneuerbaren Energien hat gerade erst angefangen, die deutsche Industrie ist hervorragend dafür aufgestellt - auch, weil wir so früh in diesen Technologiezweig eingestiegen sind", sagt die Grünen-Energiepolitikerin Bärbel Höhn.

Quelle: DPA

Das könnte Sie auch interessieren
  • Hochspannungsleitung

    Eingriffe in das Stromnetz verteuern Strompreis

    Eingriffe in das Stromnetz durch die Netzbetreiber werden immer häufiger notwendig. Das kommt auch dem Verbraucher teuer zu stehen, denn die sogenannten "Redispatchmaßnahmen" werden letztendlich über den Strompreis finanziert.

  • Ökostrom

    Teurer EEG-Umlage stehen hohe Einsparungen gegenüber

    Die EEG-Umlage steigt schon wieder und das dürfte einige Bundesbürger skeptisch machen. Einer Studie zufolge stehen aber den hohen Förderkosten für den Ausbau der Erneuerbaren auch hohe Einsparungen beim Energieimport gegenüber.

  • Strompreise

    Verbraucherschützer: Stromrechnung besser selbst prüfen

    Bei der Stromrechnung sollten Verbraucher besser selbst aktiv werden und beispielsweise hohe Nachzahlungen nicht einfach hinnehmen. Viele Stromkunden fühlen sich einer Umfrage zufolge auch mit der Stromabrechnung überfordert und können die Posten darauf nicht nachvollziehen. Auch hierfür gibt es Hilfe.

  • Atomenergie

    Medien: Kommission schlägt Atom-Entsorgungs-Pakt vor

    Bis 2022 soll auch der letzte Atommeiler ausgeschaltet werden. Wo die verstrahlten Überreste der Anlagen verbleiben sollen und wer für die Entsorgung aufkommen soll, steht hingegen noch nicht fest. Ein neuer Vorschlag der Atom-Kommission sieht einen Finanzpakt zwischen den Konzernen und dem Staat vor.

  • Strompreiserhöhung

    EU-Vergleich: Strom ist in Deutschland teuer

    In Deutschland ist der Strom im Schnitt über zehn Cent teurer als in anderen EU-Ländern. Ein Grund sind die hohen staatlichen Abgaben, die hierzulande entrichtet werden müssen. Ein Drittel der Verbraucher hält aber auch seinem Grundversorger die Treue und zahlt genau deshalb Hunderte Euro im Jahr drauf.

Top