Politiker vor Ort

Energieverwendung als Rationalisierungsreserve

Nordrhein-Westfalens Infrastrukturminister Dr. Axel Horstmann hat am gestrigen Dienstag energetisch vorbildliche Betriebe in Hamm und Waltrop besucht. "Jede nicht benötigte Kilowattstunde", so der Minister, "stärkt die Wirtschaftlichkeit der Unternehmen und schützt das Klima".

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf (red) - Hohe Energiepreise und Turbulenzen auf den globalen Energiemärkten entwickeln sich zunehmend zum Planungs- und Kostenrisiko für Unternehmen. Wie sich Firmen aus Nordrhein-Westfalen mit Hilfe innovativer Energietechnik erfolgreich von diesem Negativtrend abgekoppelt haben, darüber informierte sich NRW-Infrastrukturminister Dr. Axel Horstmann gestern bei zwei energetisch vorbildlichen Betrieben in Nordrhein-Westfalen. Die Firma Manufactum Hoof und Partner KG in Waltrop und die MBM Großküchentechnik Deutschland GmbH & Co. KG in Hamm gelten beide als Vorzeigeunternehmen in Sachen Energiemanagement und Energieeffizienz und haben die Beratungsdienste der landeseigenen Energieagentur NRW in Anspruch genommen.

"Gerade in Zeiten steigender Energiepreise bietet es sich in vielen Betrieben an, die ökonomische Verwendung von Energie als Rationalisierungsreserve zu nutzen", erklärte der Minister. "Jede nicht benötigte Kilowattstunde stärkt nicht nur das Unternehmen selbst und die energietechnische Industrie in NRW, sie schützt auch das Klima".

Mit einer transparenten Stahl-Glas-Konstruktion setzt Manufactum in Waltrop zudem auf eine intensive Tageslichtnutzung. "Bei der Beleuchtungstechnik bieten sich oft einfache und gleichzeitig äußerst effektive Möglichkeiten, um den Stromverbrauch zu reduzieren", so Dr. Horstmann. Die "Haus im Haus"-Konstruktion sieht nicht nur attraktiv aus, sie ist auch energetisch äußerst effizient: Dadurch, dass die "Häuser" in die Werkhallen der alten Zeche gebaut wurden, die Fassaden der alten Gebäude also erhalten blieben und somit eine Außenhülle bilden, entsteht eine "Klimamembran", eine Zone zwischen der Außenfassade und den Wänden des inneren Baukörpers, die als Wärmepolster fungiert. Dieses Wärmepolster führt zu einer erheblichen Reduktion des Heizenergieverbrauchs.

Manufactum nutzt die Abwärme eines Blockheizkraftwerkes (BHKW), das mit Grubengas betrieben wird. In Nordrhein-Westfalen gibt es 59 Bergbauberechtigungen für Grubengasfelder, die zur Energieerzeugung freigegeben sind. Wird das gesamte Grubengaspotenzial verwertet, kann dies zu einer Kohlendioxid-Reduktion von jährlich 3,6 Millionen Tonnen führen.

Die MBM Großküchentechnik Deutschland GmbH & Co. KG in Hamm setzt im großen Stil auf die Nutzung regenerativer Energie. MBM ist mit einem multivalenten Heizsystem ausgestattet. Dabei werden mehrere Systeme oder auch Energieträger kombiniert. Im Fall der MBM sind das u.a. Erdwärme und Sonnenergie.

Auch bei MBM ist das Engagement des Unternehmens bereits von außen sichtbar: 1200 Quadratmeter Kollektoren einer thermischen Solaranlage wurden in die Gebäudefassade integriert. In der Erde befinden sich zusätzlich Speicher für 446 Kubikmeter Wasser. Hier wird die im Sommer überschüssige Wärme der Solaranlage für die Heizperiode im Herbst und Winter vorgehalten. Zwei elektrische Wärmepumpen sorgen im Bedarfsfall dafür, dass das Temperaturniveau der aus der Solaranlage, den Erdkollektoren oder dem Wasserspeicher gewonnenen Wärme angehoben wird. Im Sommer lassen sich die Pumpen auch zur Kühlung des Gebäudes einsetzen.

Da Energie als Kostenfaktor an Bedeutung gewinnt, fordert der Minister Unternehmen auf, den Einsatz natürlicher Ressourcen und die Effizienztechnik frühzeitig auf allen Ebenen der Planung zu berücksichtigen. Die Einsparpotenziale sind beachtlich: Allein bei der industriellen Druckluft-Nutzung gehen Schätzungen von deutschlandweit rund fünf Milliarden Kilowattstunden pro Jahr aus - das entspricht dem Energieverbrauch einer Großstadt wie Köln. Durch Wärmerückgewinnung lassen sich Wärmeverluste oft bis zu 90 Prozent reduzieren. "Individuell ausgestaltete Stromlieferverträge führen ebenso zu einer Kostenoptimierung wie ein Industriecontracting, bei dem neue Anlagen beispielsweise über eingesparte Energiekosten finanziert werden", sagte der Leiter der Energieagentur NRW, Prof. Dr. Norbert Hüttenhölscher.

"Investitionen in Energieeffizienztechnik erfüllen heute die gleichen Amortisationskriterien wie Anschaffungen im Produktionsbereich", betonte Minister Dr. Horstmann. Er forderte die Unternehmen in NRW auf, das Wissen der Ingenieure der landeseigenen Energieagentur NRW zu nutzen, um sich dort produktneutral über Technik, Anbieter oder Finanzierungsfragen zu informieren. Von der fachkompetenten Beratung und dem breiten Weiterbildungsangebot könne die gesamte betriebliche Energiebilanz profitieren.

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