Kohlelastiger Energiemix

Energieversorgung in Osteuropa: Kohle steuert 40 Prozent bei

Im Aufsatz "Energieversorgung und Umweltschutz in den EU-Beitrittsländern" in der Zeitschrift iw-trends 1/2004 schreibt Gerhard Voss, dass der kohlelastige Energiemix in Osteuropa seit jeher die wichtigste Ursache für Umweltbelastungen sei. Aus diesem Grund hätten die neuen EU-Mitglieder in diesem Bereich viel zu tun.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Köln (red) - Der Energieverbrauch der osteuropäischen EU-Beitrittsländer sowie der Anwärter Rumänien und Bulgarien ist im Vergleich zur bisherigen EU relativ gering. Gemessen an der Einwohnerzahl übertraf 2001 lediglich Tschechien mit 5,7 Tonnen Steinkohleeinheiten den durchschnittlichen Energiebedarf der EU-15-Länder von 5,6 Tonnen Steinkohleeinheiten pro Kopf. Dies berichtet Gerhard Voss in einem Aufsatz im aktuellen iw-trends 1/2004.

Alle anderen Osteuropäer kamen mit wesentlich weniger Kohle, Öl und Gas aus - die Polen z.B. mit 3,3 Tonnen, die Rumänen sogar nur mit 2,3 Tonnen Steinkohleeinheiten je Einwohner. Dennoch seien ökologische Bedenken beim Thema EU-Erweiterung berechtigt schreibt der Autor in der Publikation des Instituts der deutschen Wirtschaft. Denn Braun- und Steinkohle steuerten 2001 zur gesamten primären Energieversorgung der zehn mittel- und osteuropäischen Beitrittsländer knapp 40 Prozent bei - in Polen und Tschechien sogar mehr als die Hälfte. In der alten EU hätten die beiden fossilen Energieträger dagegen nicht einmal mehr einen Anteil von 15 Prozent.

Der kohlelastige Energiemix ist in Osteuropa seit jeher die wichtigste Ursache von Umweltbelastungen, weil bislang auf die Anwendung umweltschonender Techniken verzichtet wurde, heißt es weiter. So lag die Pro-Kopf-Emission an Schwefeldioxid im Jahr 2000 in Tschechien bei 68 Kilogramm, in Polen bei 61 Kilogramm, in Deutschland dagegen nur bei 16 Kilogramm.

Auch der Kohlendioxid-Ausstoß sei, gemessen an der recht geringen Wirtschaftsleistung der mittel- und osteuropäischen Staaten, derzeit noch hoch: Von den neuen EU-Ländern reichten nur Lettland und Litauen mit 430 bzw. 450 Kilogramm Kohlendioxid-Emission je 1000 Dollar Bruttoinlandsprodukt an den Durchschnitt der EU-15-Länder von 380 Kilogramm heran. Estland käme dagegen sogar auf 1220 Kilogramm Kohlendioxid pro 1000 Dollar Bruttoinlandsprodukt. Würden die acht EU-Neulinge sowie Rumänien und Bulgarien ebenso kohlendioxideffizient produzieren wie die alte EU, könnten pro Jahr 340 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Emissionen vermieden werden.

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