Prophylaktisch verteilen oder nicht?

Energieversorger ordern 137 Millionen Jodtabletten

Wie der "Spiegel" in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, müssen im Falle eines schweren Störfalls oder eines Terrorangriffs im Umkreis von 100 Kilometern um einen Atomstandort Kaliumjod-Tabletten verfügbar sein. Die deutschen Energieversorger haben nun für 2,8 Millionen Euro Tabletten geordert - allerdings im Rahmen der normalen Vorsorgemaßnahmen.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Die deutschen Energieversorger haben bei einem österreichischen Pharma-Unternehmen 137 Millionen Kaliumjod-Tabletten bestellt, wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" in seiner aktuellen Ausgabe berichtet. Bei der Bestellung, die mit rund 2,8 Millionen Euro zu Buche schlägt, handelt es sich um eine normale Vorsorgemaßnahme zum Schutz von Anwohnern deutscher Atomkraftwerke im Falle eines schweren Störfalls oder eines Terrorangriffs.

Die Betreiber von Atomkraftwerken sind zur regelmäßigen Bestellung beziehungsweise zur Erneuerung solcher Jodtabletten verpflichtet. Sollte es zu radioaktiver Verstrahlung kommen, so soll die Einnahme von Jodtabletten entsprechende Folgen abmildern oder vermeiden, etwa Schilddrüsenkrebs. Gemäß dem "Spiegel"-Bericht halten die Länder bereits Jodtabletten-Bestände vor, doch seien diese nicht ausreichend.

Einen aktuellen Anlass für die Bestellung - etwa Hinweise auf Terroranschläge - gebe es nicht, teilte das Bundesumweltministerium auf Anfrage des "Spiegels" mit. Der Bund, so das Nachrichtenmagazin weiter, wolle sieben Zentrallager aufbauen, aus denen heraus die Bevölkerung im Umkreis von 25 bis 100 Kilometer mit Jodtabletten versorgt werden könne. Den Großteil der Tabletten sollen jedoch die Länder selbst verteilen - an jene Einwohner nämlich, die im Umkreis von bis zu 25 Kilometer um einen Atomstandort wohnen.

Differenzen, so das Wochenmagazin aus Hamburg, gebe es bezüglich der Frage, ob man Anwohner vorsorglich mit den Jodtabletten ausstatte. Hessen und Schleswig-Holstein etwa wollen Haushalte, die sich in unmittelbarer Umgebung eines Atomstandortes befinden, vorsorglich mit den Tabletten ausstatten. Andere Länder - etwa Bayern und Baden-Württemberg - wollten eben dies nicht tun, um eine "unnötige Panikmache" zu vermeiden.

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