Schadenersatz

Energieverbraucher-Bund startet Protestbriefaktion gegen RWE

Nach dem mehrtägigen Stromausfall im Westmünsterland hat der Bund der Energieverbraucher eine Protestaktion gestartet. Mit einem Protestbrief will er den Druck auf RWE erhöhen. So solle eine "angemessene Entschädigung" für die bis zu 250 000 "Stromopfer" durchgesetzt werden, hieß es in Bonn.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Bonn/Münster (ddp-nrw/sm) - Nach dem mehrtägigen Stromausfall im Westmünsterland hat der Bund der Energieverbraucher am Freitag eine Protestaktion gestartet. Mit einem im Internet veröffentlichten Protestbrief will er den Druck auf den Energieversorger RWE erhöhen. So solle eine "angemessene Entschädigung" für die bis zu 250 000 "Stromopfer" durchgesetzt werden, hieß es in Bonn.

Nach Angaben des Energieverbraucher-Bunds reicht der von RWE in Aussicht gestellte Härtefallfonds in Höhe von fünf Millionen Euro bei weitem nicht aus. Eine unabhängige Untersuchung müsse die tatsächlichen Schäden ermitteln. Dies müsse von RWE bezahlt werden. Zudem müssten die Schäden durch Stromausfälle künftig aus den Gewinnen der Stromversorger gedeckt werden. Nach Ansicht des Bunds der Energieverbraucher hätte der Stromausfall im Münsterland verhindert werden können. Die Ausgaben für die Wartung der Strommasten seien reduziert worden. Zudem könnten einige der Masten durchgerostet sein. Darüber hinaus wurde bemängelt, dass nur eine Hochspannungsleitung zu der Stadt Ochtrup führt.

Der Verbraucher-Bund verwies zudem darauf, dass die von dem Stromausfall betroffenen Kunden jährlich knapp 80 Millionen Euro für die Netznutzung an RWE zahlen. Das seien etwa 30 Millionen Euro mehr als gerechtfertigt, hieß es. Damit habe der Konzern "ungerechtfertigt hohe Gewinne gemacht". Neben dem Protestbrief, der per E-Mail unter anderem an den RWE-Chef Harry Roels und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geschickt werden soll, bietet der Bund der Energieverbraucher im Internet auch ein Diskussionsforum zu dem Thema. Zudem vermittelt er Kontakte zu Anwälten, die die Betroffenen bei ihren Schadensersatzansprüchen vertreten können.

RWE wies die Kritik zurück. Man wehre sich "entschieden gegen falsche Behauptungen, spekulative Vorwürfe und Vorverurteilungen", hieß es. Die Leitungen und Strommasten seien während des Schneechaos dem 15-Fachen der Belastungsgrenze ausgesetzt gewesen. Die Netzinfrastruktur werde regelmäßig gewartet und sei auf die für die Region üblichen klimatischen Bedingungen ausgerichtet.

Der Essener Energieversorger richtete unterdessen eine Adresse für den Härtefonds ein. Wie das Unternehmen mitteilte, können schriftliche Anträge auf Schadensersatz an "Härtefonds, z. Hd. Herrn Erich Tilkorn, Weseler Straße 480, 48163 Münster" geschickt werden. Die Anträge sollten die eingetretenen Notlagen nachvollziehbar begründen, hieß es. Ein mehrköpfiges Gremium entscheidet über die Vergabe. Die ersten Auszahlungen sollen in der kommenden Woche folgen.

Auch der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband drängt RWE zu einer raschen Schadensbegleichung. Derzeit würde die Höhe der durch den Stromausfall verursachten Schäden über die Kreisverbände des Bauernverbandes aber noch ermittelt.

Von Michael Bosse

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