Konzernzahlen

Energieriese RWE will "grüner" werden (Upd.)

RWE will seine Stromerzeugung in den kommenden Jahren verstärkt auf erneuerbare Energien umstellen. Die aus Wind und Biomasse gewonnene Stromleistung soll sich gegenüber heute bis 2012 verdoppeln und bis 2020 nahezu verfünffachen.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Essen (ddp/red) - Das kündigte das Unternehmen am Donnerstag bei Vorlage der Bilanz in Essen a. Derzeit stammen drei Prozent der Stromerzeugung des Konzerns aus erneuerbaren Energien.

"RWE wird grüner und internationaler", gab Vorstandschef Jürgen Großmann die Richtung vor. Bis 2025 wolle RWE deshalb 75 Prozent der Stromerzeugung ganz oder weitgehend ohne Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) bewältigen. Von den bis 2013 geplanten 28 Milliarden Euro an Investitionen soll deshalb rund die Hälfte in CO2-freie und CO2-arme Technologien fließen.

Vor dem Hintergrund dieser Pläne mahnte Großmann eine Verlängerung der Laufzeiten aller 17 deutschen Kernkraftwerke an. "Wir brauchen die Kernenergie erst recht in einer Zeit, in der zahlreiche geplante Kohlekraftwerke nicht gebaut werden", sagte der RWE-Chef. Er fügte hinzu: "Das ist bedenklich, weil uns bis 2020 möglicherweise rund 12.000 Megawatt Kraftwerksleistung fehlen." RWE setze auf "konstruktive Gespräche" mit der Bundesregierung.

Nach dem 2000 von der damaligen rot-grünen Koalition mit den Kraftwerksbetreibern vereinbarten Atomausstieg sollte ursprünglich im Jahr 2021 der letzte Reaktor vom Netz gehen. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) rechnet derzeit mit einem Atomausstieg bis spätestens 2030, löste mit dieser Einschätzung aber einen koalitionsinternen Streit um Atomlaufzeiten aus.

Vor dem Hintergrund der nach Einschätzung Großmanns "noch lange nicht überwundenen" Wirtschaftskrise geht RWE für die kommenden Jahre von einem geringeren Wachstum aus. Bis 2012 will der Konzern sein um Sondereffekte bereinigtes Nettoergebnis um durchschnittlich rund fünf Prozent jährlich steigern. Bislang hatte der Konzern eine Rate von zehn Prozent in Aussicht gestellt.

Im Vorjahr konnte RWE trotz Krise das Betriebsergebnis erneut verbessern. Es stieg gegenüber 2008 um vier Prozent auf 7,1 Milliarden Euro. Das nachhaltige Nettoergebnis legte um 4,9 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro zu. Der Umsatz ging dagegen um 2,5 Prozent auf 48 Milliarden Euro zurück. Die Aktionäre sollen ein leicht auf 3,50 Euro je Aktie gesunkene Dividende (2008: 4,50 Euro) erhalten.

Die angesichts der Krise gesunkene Energienachfrage bekam auch RWE zu spüren. Der Stromabsatz sank um elf Prozent. Der Gasabsatz konnte durch die Eingliederung des zugekauften niederländischen Energieunternehmens Essent leicht gesteigert werden, wäre aber den Angaben zufolge ohne diesen Effekt um sieben Prozent gesunken. Zufrieden zeigte sich der Konzern über seinen deutschen Markt. Dort sei durch neue Kunden sieben Prozent mehr Strom verkauft worden.

Ende 2009 beschäftigte RWE den Angaben zufolge weltweit rund 70 700 Mitarbeiter - sieben Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Grund dafür war größtenteils die Übernahme von Essent. Bis 2013 will RWE laut Großmann den Anteil des internationalen Geschäfts am Konzerngewinn von zuletzt 34 auf 50 Prozent erhöhen.

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